
Schön,
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vorbeischauen.
Das Motto unserer Gemeinschaft
Gut, dass wir einander haben,
gut, dass wir einander sehn,
Sorgen, Freuden, Kräfte teilen
und auf einem Wege gehn.
Gut, dass wir nicht uns nur haben,
dass der Kreis sich niemals schließt
und dass Gott, von dem wir reden,
hier in unsrer Mitte ist.
Manfred Siebald
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Betrachtung zur Jahreslosung 2026
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“
(Offenbarung 21,5)
1.Einstieg: Wenn Vergangenes auf uns lastet
Jede und jeder von uns kennt diese Stunden, in denen das Vergangene schwer auf den Schultern liegt: Erlebnisse, die schmerzen, Gewohnheiten, die uns hemmen, Ängste, die uns klein halten. Hinzu kommt manchmal die Weltlage, die uns bedrückt und ratlos macht.
In solche Momente spricht Gott ein Wort, das weiter reicht als unser eigenes Vermögen: „Siehe, ich mache alles neu.“
Gott sagt nicht: Ich renoviere neu.
Gott sagt nicht: ich übertünche alles.
Gott sagt nicht: Ich mache alles anders.
Nicht: „Mach dich selbst neu.“
Nicht: „Strenge dich mehr an.“
Sondern: „Ich mache.“
Ein Satz, der die Schwere anerkennt, ihr aber nicht das letzte Wort lässt.
2. Der Kontext: Ein Wort aus Gottes Zukunft für unser Heute
Die Offenbarung ist kein Buch der Flucht, sondern eines des Trostes. Sie richtet sich an Menschen, die unter Druck stehen, die verunsichert und erschöpft sind. An Personen, die sich fragen: Bleibt Gott uns treu? Trägt seine Zusage? Gibt es eine Zukunft?
Mitten in diese Unsicherheit spricht der auf dem Thron: „Siehe, ich mache alles neu.“ Ein Wort aus der göttlichen Vollendung, das schon heute Kraft entfalten will. Ein Wort, das nicht an der Gegenwart vorbeigeht, sondern sie durchstrahlt.
3. Das Neue hat schon begonnen: Christus schafft neue Schöpfung
Paulus bringt es auf den Punkt: „Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)
Das Neue ist nicht erst in ferner Zukunft sichtbar. Es beginnt im Innersten, dort, wo Christus einzieht. Wo Menschen sich ihm öffnen, Vergebung geschieht, Mut wächst und jemand wieder aufsteht. Gott erneuert nicht erst irgendwann – er erneuert heute.
4. Erneuerung im Alltag: Wenn unser Äußeres ermüdet
Paulus kennt die Realität: Unser äußeres Leben vergeht – körperlich, seelisch, manchmal auch gesellschaftlich. Doch er sagt: „Der innere Mensch wird Tag für Tag erneuert.“
(2. Korinther 4,16)
Das ist die tägliche Zusage: Gott trägt. Christus bleibt. Der Heilige Geist gibt Kraft. Gerade dann, wenn es eng wird. Gerade dann, wenn wir keine Lösung mehr sehen. Gottes Erneuerung ist kein lautes Feuerwerk, sondern ein leiser, beständiger Prozess. Ein Hauch von Hoffnung. Ein Funke Mut. Ein Schritt, der gelingt, obwohl wir es nicht mehr erwartet hätten.
5. Die große Vollendung: Was Gott neu macht, bleibt für immer
Die Offenbarung öffnet uns den Blick auf das Ziel: Gott wird richten, heilen und vollenden. Er spricht: „Es ist geschehen! Ich bin das A und das O.“
Er, der die Welt geschaffen hat, führt sie auch zu ihrem Ziel. Den Durstigen gibt er Wasser des Lebens umsonst. Den Überwindenden nennt er sein Kind. Er schafft eine Welt, in der das Alte keine Macht mehr hat.
Und er benennt klar, was sich seiner Liebe widersetzt – nicht als Drohung, sondern um zu zeigen: Das Neue Gottes ist heilig, wahrhaftig, gerecht und frei von allem, was zerstört.
6. Im Heute das Neue leben: Zwischen Verheißung und Alltag
Wir leben zwischen zwei Polen: dem endgültigen Neuen, das Gott schaffen wird, und dem Neuen, das er heute in uns bewirkt. Wir werden vom Sohn getragen, vom Geist erneuert, von der Treue des Vaters gehalten.
So begleitet uns die Jahreslosung durch das Jahr: „Siehe, ich mache alles neu.“ Es ist ein Satz für die Müden, die Hoffenden, die Ratlosen, die an ihrem Glauben zweifeln. Ein Satz, der sagt: Gott bleibt nicht fern.
Er bleibt der Schöpfer, bleibt treu, bleibt an unserer Seite – bis Alles neu geworden ist.
7. Abschluss: Ein Gebet
Gott, du Ursprung und Ziel, du kennst unser Leben, unsere Begrenzungen, unsere Müdigkeit.
Sprich dein Wort des Neuanfangs in unsere Tage. Erneuere uns durch deinen Geist.
Stärke uns durch deinen Sohn. Lass uns schon heute aus dem Licht deiner kommenden Welt leben.
Amen.

Betrachtung
zum
Monatsspruch März 2026
„Da weinte Jesus.“ – Johannes 11,35
Es gibt nur wenige Sätze in der Bibel, die so kurz und zugleich so tief sind wie dieser. „Da weinte Jesus.“ Kein Kommentar, keine Erklärung – nur Tränen. Und doch öffnen sie ein Fenster in das Herz Gottes.
Die Evangelien nennen drei Situationen, in denen Jesus weint:
Am Grab des Lazarus – Johannes 11,35
Kontext: Johannes 11,33–36
Jesus sieht die Trauer der Menschen, er spürt den Schmerz des Verlustes – und er weint.
Obwohl er weiß, dass er Lazarus gleich auferwecken wird, nimmt er das Leid ernst.
Seine Tränen sind keine Inszenierung, sondern echte menschliche Betroffenheit.
Über Jerusalem – Lukas 19,41–44
„Und als er näherkam und die Stadt sah, weinte er über sie.“
Hier weint Jesus nicht über persönliches Leid, sondern über eine Stadt, die den Frieden Gottes verpasst.
Er sieht die Verstockung, die Ablehnung, das kommende Gericht – und es zerreißt ihm das Herz.
Im Ringen vor dem Vater – Hebräer 5,7
„… mit starkem Geschrei und Tränen …“
Jesus kennt die ganze Tiefe menschlicher Angst, Einsamkeit und innerer Not.
Seine Tränen sind Ausdruck seines Kampfes – und seiner Hingabe.
Was Jesu Tränen offenbaren
Die Bibel sagt nicht, wie oft Jesus geweint hat. Aber sie zeigt, warum er weint:
über Leid und Tod
über verlorene Menschen
über die Blindheit gegenüber Gottes Frieden
im Gebet, im Ringen, im Gehorsam
Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch.
Seine Tränen zeigen beides:
Als Mensch
fühlt er Schmerz, Trauer, Enttäuschung – ohne Maske, ohne fromme Fassade.
Als Gottessohn
sieht er, was Ablehnung bedeutet – und es bricht ihm das Herz.
„Wenn doch auch du erkenntest …“ (Lukas 19,42)
Jesus weint nicht, weil man ihn schlecht behandelt.
Er weint, weil Menschen den Frieden Gottes nicht erkennen.
Johannes fasst es so zusammen:
„Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Johannes 1,11)
Ablehnung trifft Jesus nicht nur theologisch – sie trifft ihn emotional.
Er liebt – und darum leidet er.
Ein mitleidender Hoher Priester
„Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte …“ (Hebräer 4,15)
Jesus kennt:
Trauer – Johannes 11,35
Ablehnung – Johannes 1,11
Einsamkeit – Markus 14,50
Angst und inneren Kampf – Lukas 22,44
Darum lädt er ein:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid …“ (Matthäus 11,28)
Man muss ihm nichts vorspielen.
Er versteht – von innen heraus.
Was das für uns bedeutet
Jeder darf Jesus sagen, wie es ihm wirklich geht – ohne Filter.
Jeder darf wissen: Er versteht, auch wenn Menschen nicht verstehen.
Jeder darf gewiss sein: Unsere Tränen sind ihm nicht egal.
Auch wenn Jesus nicht mehr leibhaftig unter uns ist, bleibt er der Mit-Leidende, der Mit-Tragende.
Die, die zu ihm gehören, werden getröstet werden.
Und heute?
Wenn Jesus damals über Jerusalem weinte –
warum sollte er heute nicht über Deutschland (Berlin) weinen?
Nach großem Segen ist unser Land wieder weit weg vom Herzen Gottes.
Die Muster sind erschreckend ähnlich:
Verstockung
Ablehnung
Verkennen
Verleugnen
Nicht aus Zorn würde Jesus weinen –
sondern aus Liebe.
Weil wir den Frieden verpassen, der uns geschenkt ist.
Ein letzter Gedanke
Jesus sucht nicht, mehr,
er will dass wir ihn finden.
Denn Er hat uns längst gefunden.

Betrachtung zur Passionszeit
Die letzten Spuren von Weihnachten sind verschwunden. Stattdessen bestimmen Fasching, Fasnacht und Fasnet den öffentlichen Raum. Was dabei fast unbemerkt bleibt, ist der Beginn der Passionszeit – und die geistliche Bedeutung, die zwischen diesen beiden Ereignissen liegt. In unserer postchristlichen Gesellschaft tritt sie immer weiter in den Hintergrund.
Wir leben in einer säkularen Welt, in der viele christliche Feste umgedeutet wurden: kulturell, humanistisch, ideologisch. Wegfallen sollen sie nicht – schließlich sind sie arbeitsfreie Tage. Doch ihre ursprüngliche Bedeutung ist vielen fremd geworden. Auch die Theologie der letzten Jahrzehnte hat manches entkernt und entkräftet.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass es Gemeinden gibt, die die biblische Lehre klar und zugleich ohne Lautstärke vertreten. Diese Reihe möchte einen Beitrag dazu leisten. Sie soll erklären, was die Passionszeit bedeutet – und warum sie heute vielleicht nötiger ist als je zuvor.
„Passion“ ist kein Begriff, den man „mal eben so“ erklärt. Er ist sprachlich verschoben, kulturell überlagert und geistlich missverständlich geworden. Gleichzeitig trägt er eine Tiefe, die heute neu entdeckt werden kann.
Warum verstehen viele Menschen den Begriff kaum noch?
Weil sich unser geistiges und geistliches Koordinatensystem verschoben hat.
Viele verbinden „Passion“ mit :
einem Theaterstück
einer musikalischen Aufführung
einem historischen Ereignis
einem religiösen Ritual
einer Leidenschaft
Der Begriff ist kulturell geblieben, aber geistlich entkernt.
Denn kaum jemand verbindet ihn noch mit der eigenen Existenz, dem eigenen Glauben, und eigener Lebensdeutung.
Doch die biblische Grundlage der Passion ist von entscheidender Bedeutung – für das Leben und Sterben jedes Menschen, der Orientierung und Halt sucht. Die Jünger Jesu verstanden damals wenig, obwohl Jesus ihnen seine Passion mehrfach erklärte. Und auch heute ist es nicht viel anders. Zwei Jahrtausende Lehr- und Erfahrungszeit haben daran wenig geändert.
Vielleicht kann diese Reihe ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Die Passionsgeschichte
Was Passion ursprünglich meint
Der Begriff „Passion“ stammt aus dem Lateinischen passio und bedeutet „Leiden“ – aber noch genauer: das Erdulden, sich ausliefern, geschehen lassen. Gemeint ist nicht ein aktives Handeln, sondern das Öffnen für etwas, das außerhalb der eigenen Kontrolle liegt.
Passion ist kein Tun, sondern Hingabe. Darum spricht Jesus selbst von seiner „Passion“ – nicht als Ankündigung eines Leidens, sondern als bewusste Hingabe.
Er begegnet seinem Weg nicht als bloßes Schicksal, sondern als Sendung: als Auftrag aus Gottes Herrlichkeit hinein in die Tiefen einer Welt voller Not, Gewalt und Krieg.
Jesu Leiden war somit von Anfang an Programm – nicht nur am Kreuz, nicht nur in Gethsemane, sondern vom allerersten Moment seines Lebens an.
Die Passionszeit ist eine Zeit, in der wir uns an das Leben und das Leiden Jesu auf dieser Erde erinnern. Sie beginnt nicht mit lauten Ereignissen, sondern mit einem sanften Übergang.
Weihnachten erzählt von Gottes Ankunft in der Welt, die Passion davon, wie Gott in Jesus den Weg durch diese Welt geht und sie schließlich verlässt. Zwischen Ankunft und Abschied liegt das gesamte Spektrum menschlicher Existenz.
Philipper 2,6-9 (Sinngemäß)
„Er, der es nicht nötig gehabt hätte, wurde Mensch, wurde Knecht, ließ sich demütigen.“ Paulus bringt es treffend auf den Punkt: Jesus Christus – Gott gleich – sah seine Menschwerdung nicht als Schicksal, sondern als Sendung.
Aus freiem Willen verließ er Gottes Herrlichkeit und wurde Mensch – eine Entscheidung, die unser Vorstellungsvermögen übersteigt.
Ein Mensch von Anfang an
Die Passion beginnt schon im Mutterleib.
Noch vor dem Stall von Bethlehem beginnt Jesu Weg der Verletzlichkeit. Maria, im dritten Monat schwanger, macht sich auf den beschwerlichen Weg durchs Gebirge zu Elisabeth. Später folgt, hochschwanger, der anstrengende Marsch zur Volkszählung nach Bethlehem.
Heute wissen wir: Solche Strapazen hinterlassen bereits Spuren bei einem ungeborenen Kind. Die Geburt selbst gilt als „erste Passion“ des Menschen. Um als Mensch unter Menschen zu leben, beginnt Jesu Weg mit allem, was menschliches Leben ausmacht – und das beginnt mit der Geburt.
Ein entscheidender Unterschied: Jesus wurde von einer Jungfrau geboren.
Die Geburt als „erste Passion“ (Leiden)
Die Geburt ist ein starkes Bild für Passion, denn sie ist:
extrem, aber nicht traumatisch,
lebensbedrohlich und zugleich lebensspendend,
unbewusst und doch prägend,
ein Übergang, der sich unserer Kontrolle entzieht.
Geboren unter schwierigen Umständen
Kaum unter widrigen Verhältnissen geboren, ist Jesus bedroht: Ein Gewaltherrscher trachtet ihm nach dem Leben.
Die Flucht nach Ägypten beginnt. Sein Leben startet mit Angst – lange bevor die Welt überhaupt von ihm erfährt. Schon im Unbewussten sammeln sich Erfahrungen, die alles Vorstellbare übersteigen.
Weihnachten ist darum kein harmloses Idyll. Es markiert vielmehr den Beginn eines Weges, der von Anfang an durch die Schatten dieser Welt führt.
Gott wird nicht in eine heile Welt hineingeboren, sondern mitten in unsere Brüche, Unsicherheiten und Konflikte.

Die verborgenen Jahre Jesu
1. Die lange Stille nach Ägypten
Nach der Rückkehr aus Ägypten wird es still um Jesus. Über seine Kindheit und Jugend wissen wir erstaunlich wenig – und das ist vermutlich Absicht. Gott schafft eine verborgene Zeit, in der Jesus wächst, lernt und reift, ohne Öffentlichkeit, ohne Wunder, ohne Bühne.
Er wird in der Thora unterrichtet, lebt ein jüdisches Alltagsleben in einer frommen Familie. Josef und Maria nehmen Gottesdienste, Feste und Pilgerreisen ernst; sie reisen jedes Jahr zum Passahfest nach Jerusalem. Diese Umgebung prägt Jesus auch menschlich.
2. Normale Entwicklung – gewollt von Gott
Die Evangelien zeigen: Gott überspringt bei Jesus nicht die normale menschliche Entwicklung. Lukas fasst diese Jahre in einem Satz zusammen:
„Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.“
Jesus ist kein „fertiger Übermensch“, sondern wächst – geistig, körperlich, geistlich, sozial. Gott selbst hält diese unspektakuläre Zeit für wichtig. Das wertet auch unsere unscheinbaren Jahre, Routinen und Alltage auf.
3. Auffälliges inmitten der Normalität
Trotz der Normalität blitzt immer wieder etwas Besonderes auf:
Mit zwölf sitzt Jesus im Tempel „mitten unter den Lehrern“, hört zu, stellt Fragen – und alle staunen über sein Verständnis (Lukas 2,46).
Und als sich die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem.
Und als seine Eltern ihn fanden, sprach er zu ihnen: Weshalb habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?
Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen, doch verstanden hatte sie es nicht.
Später in Nazareth „entsetzten sie sich über seine Lehre“ (Markus 1,22). Man merkt: Da ist mehr als nur „der Zimmermann“.
Doch dieses Besondere wächst nicht im Rampenlicht, sondern in Treue im Kleinen: Familie, Arbeit, Gottesdienst, Gehorsam.
„Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam.“ (Lukas 2,51)
4. Familie und Alltag
Jesus wächst in einer großen Familie auf:
„Ist dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? … und seine Brüder Jakobus und Joses und Simon und Judas?“ (Matthäus 13,55–56)
Josef ist Zimmermann, Jesus wird selbst „Zimmermann“ genannt (Markus 6,3). Er arbeitet also ganz normal. Die Familie ist gesetzestreu und pilgert jährlich nach Jerusalem (Lukas 2,41).
5. Das eine Jugendereignis – ein Fenster in die verborgenen Jahre
Die Tempelszene mit zwölf Jahren ist kein einmaliger Sonderfall, sondern ein herausgegriffenes Beispiel. Sie zeigt, wie Jesus in dieser Zeit wächst:
in Charakter
in seiner Beziehung zu Gott
im Umgang mit Menschen
mitten im normalen Familienleben
Diese verborgene Zeit endet erst, als Jesus öffentlich auftritt.

Passion – Jesus vor dem öffentlichen Wirken
Bevor Jesus jedoch öffentlich auftrat, stellte er sich in die Reihe derer, die Buße nöig hatten. Er ließ sich taufen – er, der ohne Sünde war. Nicht weil er Reinigung gebraucht hätte, sondern weil er sich mit den Menschen identifizierte, die er retten wollte. In der Taufe ging er symbolisch in den Tod hinab und kam wieder heraus (vgl. Römer 6,3–4) – ein Vorausblick auf Golgatha und Ostern.
Der Himmel öffnete sich, der Geist kam auf ihn herab, und die Stimme des Vaters bezeugte ihn. (Matthäus 3,17)
Jesus war dann mal weg.
Der Heilige Geist führt ihn dann an einen Ort, der alles andere als geeignet scheint, um ein Wirken zu beginnen: in die Wüste.
Die Wüste ist kein romantischer Rückzugsort. Sie ist ein Raum der Entblößung. Ein Ort, an dem alles Überflüssige verschwindet und nur das Wesentliche bleibt. Dort fastet Jesus vierzig Tage und Nächte. Es ist gut denkbar, dass er sich in der Nähe einer Oase aufhielt – denn der Mensch kann lange ohne feste Nahrung leben, aber nicht ohne Wasser. Und selbst beim Fasten braucht der Körper eine minimale Hygiene, um nicht zu verfallen. Jesus fastet nicht als asketische Leistung, sondern als Ausdruck völliger Hingabe an den Willen des Vaters.
In dieser lebensfeindlichen Umgebung, fern von menschlicher Nähe, fern von Sicherheit, entsteht eine Gottesnähe, die später viele Mystiker suchten. Die Wüste ist ein Ort, an dem Gott spricht – aber auch ein Ort, an dem der Mensch mit sich selbst konfrontiert wird. Mit seinen Grenzen. Mit seinen Sehnsüchten. Mit seinen Ängsten. Mit seiner Berufung.
Und dort, in dieser Einsamkeit, begegnet Jesus einer uralten Geschichte: der Geschichte von Adam und Eva. Denn die Wüste ist nicht nur ein geografischer Ort, sondern ein geistlicher Raum. Ein Raum, in dem die Menschheitsgeschichte noch einmal aufscheint.
Wie damals im Garten Eden tritt der Versucher an den Menschen heran. Damals begann es mit einer Frage, die Vertrauen untergrub: „Sollte Gott wirklich gesagt haben…?“ (1.Mose 3,1ff)
Und so ähnlich beginnt es auch hier.
Nach dem Fastenbrechen, wenn der Magen wieder zu arbeiten beginnt und der Hunger mit Macht zurückkehrt, tritt der Versucher an Jesus heran. Doch diesmal weiß er: Dies ist ein anderer Gegner. Kein Mensch, der sich selbst überschätzt. Kein Mensch, der sich verführen lässt, weil er mehr sein will, als er ist. Hier steht der, der ganz Mensch und ganz Gott ist.
Der Versucher setzt direkt an:
„Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“ (Matthäus 4,3)
Auffällig: Er spricht nicht den Durst an. Obwohl Durst in der Wüste lebensbedrohlicher ist als Hunger. Der Versucher weiß genau, wo er ansetzen muss: beim elementarsten Bedürfnis des Menschen. Beim Essen.
Wir Menschen der Gegenwart wissen kaum noch, was wirklicher Hunger bedeutet. Aber Jesus weiß es. Er spürt es. Und gerade deshalb ist diese Versuchung so real.
Doch Jesus antwortet nicht aus Trotz. Nicht aus Stolz. Sondern aus Vertrauen:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“
Er weiß: Körperliches Wohlbefinden ist nicht alles. Es gibt ein tieferes Leben, das aus dem Wort Gottes kommt.
Die zweite Versuchung zielt auf religiöse Selbstinszenierung. Der Versucher führt Jesus auf die Zinne des Tempels und sagt:
„Stürze dich hinab – denn es steht geschrieben…“
Hier wird die Schrift missbraucht. Der Versucher zitiert sie, aber er verdreht ihren Sinn.
Es ist die Versuchung, Gott zu benutzen. Ihn zu testen. Ihn zum Erfüllungsgehilfen der eigenen Wünsche zu machen.
Jesus verweigert sich. Er kennt den Vater. Er weiß, dass Liebe keinen Beweiszwang braucht.
Die dritte Versuchung schließlich ist die, der kaum ein irdischer Machthaber widerstehen würde:
Alle Reiche der Welt – gegen einen einzigen Akt der Anbetung.
Hier zeigt der Versucher sein wahres Gesicht. Es geht um Macht. Um Herrschaft. Um die Frage: Wer bestimmt über die Welt? Und über das Leben?
Wie im Garten Eden geht es um drei Dinge:
- um Nahrung
- um Gottesgleichheit
- um die Frage, wem der Mensch vertraut
Damals gab es noch keine Reiche zu gewinnen – und doch haben Menschen sich dem Versucher zugewandt.
Aber Jesus ist ein anderer Gegner.
Auch dies gehört bereits zur Passion: ein Leiden.
Nicht körperlich – noch nicht.
Aber innerlich.
Die Einsamkeit.
Die Versuchung.
Die Erfahrung, dass die finstere Macht nicht mit offenen Karten spielt.
Und das Wissen, dass er nicht verstanden werden wird.
Trotzdem geht Jesus diesen Weg.
Er geht ihn für uns.
Er geht ihn, um die Menschheit dorthin zurückzuführen, wo Adam und Eva hätten bleiben sollen: in das Vertrauen auf Gott.
Er geht ihn, um die Erlösung zu bringen – nicht durch Macht, sondern durch Hingabe.


Passion – Jesu Weg in die Öffentlichkeit
Jesus war ungefähr dreißig Jahre alt, als er sein öffentliches Wirken begann – jenes Alter, in dem nach dem Gesetz auch die Priester ihren Dienst antreten durften. Nichts an seinem Weg war hastig. Selbst nach den vierzig Tagen in der Wüste, in denen er dem Versucher entgegentrat, ging er Schritt für Schritt, ohne Drängen, ohne Eile. Er wusste, dass der Weg des Vaters nicht beschleunigt werden kann.
Als er in der Kraft des Geistes aus der Wüste, nach Galiläa zurückkehrte, verbreitete sich schnell in der ganzen Gegend, das Gerücht, Er, ist wieder da.
Die vielen Zeugen, die das sichtbare und hörbare Ereignis der Taufe am Jordan erlebt haben, wollten mehr erfahren und suchten ihn. Und sie fanden Jesus in den Synagogen.
In den Synagogen lehrte er, und die Menschen spürten etwas an ihm, das sie nicht benennen konnten. Viele priesen ihn.
Doch als er in seine Heimatstadt Nazareth kam, wo man ihn seit Kindertagen kannte, zeigte sich ein anderes Gesicht der Menschen. Er war jetzt ein anderer, nicht mehr nur der Zimmermannsohn. Zunächst staunten sie über seine Worte, und seine Auslegung der Schrifft. Doch das Staunen schlug schnell um in Ablehnung, und Hass.
Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt. (Lukas 4,21ff) Als er das Schriftwort aus Jesaja 61,1-2 auslegte.
Warfen sie ihm Anmaßung und Gotteslästerung vor– und versuchten, ihn zu töten. Ein Prophet gilt nichts in seiner Heimat. Jesus wusste das. Und er ging weiter.
Es war der öffentliche Beginn seines Weges.
Dann berief er seine Jünger – eine Gruppe, die kein Rabbi seiner Zeit aufgenommen hätte. Fischer, ein Zelot, ein Zöllner, impulsive „Donnersöhne“, und einer, von dem Jesus wusste, dass er ihn verraten würde. Eine Truppe voller Ecken und Kanten, voller Unverständnis und begrenzter Einsicht. Und doch erwählte er sie. Er wusste, dass sie vieles erst nach seiner Auferstehung begreifen würden.
Kurz darauf war Jesus auf einer Hochzeit in Kana. Seine Mutter machte ihn auf den fehlenden Wein aufmerksam. Sie ahnte etwas von seiner Besonderheit, verstand aber nicht wirklich, wer er war,(obwohl es der Erzengel Gabriel ihr klar sagte (Lukas 1,3)ff). Jesus wies sie zurecht, doch sie blieb unbeeindruckt und sagte den Dienern, sie sollten tun, was er ihnen auftrage. Und Jesus tat sein erstes Zeichen. Viele glaubten – wie tief dieser Glaube ging, bleibt offen.
Es folgten weitere Zeichen und Wunder. In der Frühphase seines öffentlichen Wirkens. Die erste Tempelreinigung. Dann kurz vor Passah. Die erste Konfrontation, erschütterte die religiösen Führer. Sie sahen ihre Macht bedroht, ihre Position, ihre Deutungshoheit. Obwohl sie untereinander oft zerstritten waren, einte sie eines: Dieser Jesus musste weg. Gerade diejenigen, die die Schrift kannten, hätten ihn erkennen müssen – doch sie taten es nicht.(Johannes 2,13ff
Andere hingegen spürten ihre eigene Leere und suchten ihn. Zachäus, ein Oberzöllner im Baum.(Lukas 19,2)
Und der Zöllner der nur flüstern konnte: „Herr, sei mir gnädig.“ (Lukas18,13) Die Ehebrecherin, die mit einer widerwärtigen Intrige vor ihn geschleift wurde – Jesus durchschaute das Spiel und sprach nur zu ihr: „Geh hin und sündige nicht mehr.“ (Johannes 8,7) Der blinde Bettler am Weg, (Lukas 18,38ff) den die Menge zum Schweigen bringen wollte, rief dennoch: „Jesus du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Der Synagogenvorsteher, der um seine Tochter bat.(Markus 5,22) Die Frau mit Blutfluss: wenn ich nur sein Gewand berühren könnte. ( Markus 5,28) Nikodemus, der Pharisäer, kam bei Nacht, weil er bei Tag zu viel zu verlieren hatte. (Johannes 3,1f)
Und dann waren da jene, die gar nicht zum Volk gehörten: der römische Hauptmann, ich bin es nicht wert.dessen Glaube Jesus staunen ließ; (Lukas 7,2ff) . Die Frau aus Syrophönizien, die nicht locker ließ;( Markus 7,26) die Samaritanerin am Brunnen, die in der Hitze des Tages Wasser schöpfen musste, weil niemand etwas mit ihr zu tun haben wollte. Ihr offenbarte Jesus sich als Messias – ihr, einer Frau, einer Ausgestoßenen.(Johannes 4,6ff)
Auch die Dämonen erkannten ihn sofort. Sie wussten, wer er war, doch er verbot ihnen zu sprechen. Zehn Aussätzige wurden rein, aber nur einer kehrte zurück – ein Samaritaner. (Lukas 17,12ff) Die Verachteten verstanden oft mehr als die Frommen.
Drei Jahre lang zog Jesus durch das Land und darüber hinaus. Er heilte, lehrte, speiste Tausende, stillte den Sturm, trieb Dämonen aus. Er offenbarte Macht über Natur, Krankheit, Tod – und zugleich zeigte er sich als Mensch. Er hatte Hunger, er brauchte Schlaf, er war erschöpft. Er fühlte mit den Menschen. Er weinte über Jerusalem: „Wie oft habe ich dich sammeln wollen…“ Lukas 19,41) (Doch sie erkannten ihn nicht. „Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, würdet ihr mich erkennen“, sagte er. „Doch ihr habt den Teufel als Vater.“ ( Johannes 8,39ff) Die geistliche Blindheit war nicht nur ein Problem seiner Zeit. Satan, der Versucher wirkte damals – und er wirkt heute.

Jesus – wahrer Mensch und wahrer Gott.
Ohne Anfang und ohne Ende.
Und doch in dieser Welt sichtbar geworden, in einer bestimmten Zeit, unter bestimmten Menschen, mit all der Zerbrechlichkeit, die menschliches Leben mit sich bringt.
In den bisherigen Betrachtungen ging es um sein Werden, sein Leben, sein menschliches Leiden.
Sein Weg in und durch diese Zeit.
Sein Wirken mit all seinen Facetten:
Staunen, Bewunderung, Sensationslust, Herausforderung, Missverständnisse, Ablehnung.
Menschen, die ihn suchten – mit der Sehnsucht, ihre Schuld loszuwerden.
Mit der letzten Hoffnung auf Heilung, auf Frieden, auf ein neues Leben.
Und nur einer Frau offenbarte er sich unterwegs als der Messias.
Verstanden wurde er nicht.
Petrus hatte einen lichten Moment.
Die Dämonen wussten es – aber sie durften nicht reden.
Denn er soll nicht offenbart, sondern geglaubt werden.
Doch was auf seinem Weg immer mitschwang, war die letzte Konsequenz seines Weges:
die Passion.
Nicht als Unfall, nicht als Scheitern, sondern als Vollendung.
Darauf nimmt Markus Bezug, wenn er dreimal erzählt, wie Jesus sein Leiden ankündigt.
Darauf möchte diese Bertachtung Bezug nehmen.
Die drei Leidensankündigungen Jesu – zeitliche Abfolge und Phase seines Wirkens
Die Synoptiker Markus, Matthäus, Lukas überliefern drei Leidensankündigungen. Markus gilt als älteste und klarste Struktur, daher orientiert sich die folgende Darstellung daran.
Leidensankündigung – nach dem Bekenntnis des Petrus (Markus 8,29-33)Und er sprach zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel!
(Matthäus 16,16)
Und er gebot ihnen ernstlich, dass sie niemand von ihm sagen sollten.
Wann?
Beginn der letzten Phase des öffentlichen Wirkens, nach einer langen Zeit der Verkündigung, Heilungen und Gleichnisse in Galiläa.
Ort: Gegend von Cäsarea Philippi, also weit weg von Jerusalem.
Zeitlich: Etwa ein halbes Jahr vor der Passion (traditionell geschätzt).
Bedeutung:
Wendepunkt: Von der Erfolgsgeschichte des galiläischen Wirkens zur Passionsbewegung.
Jesus beginnt erstmals offen über Leiden, Tod und Auferstehung zu sprechen.
Die Jünger reagieren mit Unverständnis (Petrus weist ihn zurecht).
Und er fing an, sie zu lehren, der Sohn des Menschen müsse viel leiden und von den Ältesten und den obersten Priestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen wiederauferstehen.
Und er redete das Wort ganz offen. Da nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren, das geschehe nicht.
Er aber wandte sich um und sah seine Jünger an und ermahnte den Petrus ernstlich und sprach: Weiche von mir, Satan! Denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich
so dicht kann göttliches und satanisches beieinander liegen.
2. Leidensankündigung – auf dem Weg durch Galiläa (Markus 9,31)
Wann?
Unterwegs, bewusst „inkognito“, um die Jünger zu unterrichten.
Nach der Verklärung, nach Heilungen und Konflikten.
Ort: Noch in Galiläa, aber bereits auf dem Weg Richtung Süden.
Bedeutung:
Vertiefung der ersten Ankündigung.
Die Jünger verstehen es weiterhin nicht und fürchten sich zu fragen.
Direkt danach streiten sie darüber, wer der Größte sei — ein starker Kontrast.
3. Leidensankündigung – kurz vor Jerusalem (Markus 10,33–34)
Wann?
Unmittelbar vor dem Einzug in Jerusalem.
Ort: Auf dem Weg durch Jericho, also nur noch wenige Kilometer vor Jerusalem.
Zeitlich: Sehr kurz vor der Passion, wenige Tage vorher.
Bedeutung:
Die detaillierteste Ankündigung: Auslieferung, Verspottung, Geißelung, Tötung, Auferstehung.
Und wieder: Missverständnis.
Die Zebedäussöhne bitten um Ehrenplätze.
Sie sind völlig aus der Rolle gefallen.
Sie hören seine Worte – aber nicht seinen Weg.
Doch Jesus geht voran.
Die Jünger sind bestürzt und fürchten sich.
Er aber ist entschlossen.
Der Wegcharakter wird maximal zugespitzt: Jesus geht voran, die Jünger sind „bestürzt“ und „fürchten sich“.
Warum ist das dramaturgisch so stark?
Weil die Leidensankündigungen den Weg nach Jerusalem strukturieren:
Von der Erkenntnis (Petrusbekenntnis)
über die Verwandlung (Verklärung)
hin zur Entschlossenheit (Jesus geht voran)
und schließlich zur Konfrontation (Jerusalem)
Sie markieren die innere Bewegung Jesu:
vom Wirken zum Hingeben, vom Verkündigen zum Vollenden.

Der Weg nach Jerusalem neigt sich dem Ende zu.
Die Spannung wächst, der Kreis schließt sich.
Nur noch wenige Kilometer trennen Jesus und seine Jünger von der Stadt, in der sich alles erfüllen wird.
Jesus nimmt die Zwölf beiseite und spricht von dem, was kommen muss: dass sich alles erfüllen werde, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben — Auslieferung an die Heiden, Spott, Misshandlung, Geißelung, Tod und schließlich die Auferstehung am dritten Tag.
Doch die Jünger verstehen nichts; die Worte bleiben ihnen verborgen, zu geheimnisvoll, zu schwer.
Doch die Geschichte ist größer als das Schicksal eines Einzelnen.
Jesus deutet immer wieder an, dass seine Passion untrennbar mit dem Schicksal Jerusalems verwoben ist.
Er spricht von der kommenden Zerstreuung, vom Zertreten der Stadt durch die Heiden, „bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind“.
Als er die Stadt sieht, weint er über sie.
Er klagt, dass sie nicht erkannt habe, was zu ihrem Frieden diente — und dass es nun vor ihren Augen verborgen sei.
Mit seinem Einzug ziehen die alten Schatten aus dem Deuteronomium herauf (5.Mose 28,64-69):
die Warnungen vor Zerstreuung und Bedrückung, wenn das Volk den Weg verliert.
Noch bevor Jesus seinen eigenen Weg ans Kreuz geht, leidet er über die Verstockung derer, die ihn hätten erkennen können.
Jerusalem füllt sich mit Pilgern aus allen Provinzen. Die Stadt ist überfüllt, die Atmosphäre knistert.
Die Römer verstärken ihre Präsenz, nervös, wachsam. Gerüchte gehen um: Jesus kommt. Geschichten ranken sich, Erwartungen liegen in der Luft, ohne dass jemand genau weiß, was bevorsteht.
Nur einer weiß es: Jesus selbst. Und er wird angespannt, denn er kennt den Weg, der vor ihm liegt.
Als er sich Bethphage und Bethanien nähert, sendet er zwei Jünger voraus, um ein Füllen zu holen, „auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat“.
Sie finden alles so, wie er es gesagt hat. Jesus setzt sich darauf, und die Menge breitet ihre Kleider auf den Weg.
Am Abhang des Ölbergs bricht Jubel aus: „Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn!“
Die Pharisäer fordern ihn auf, seine Jünger zum Schweigen zu bringen, doch Jesus antwortet: „Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“
Und tatsächlich — die Steine schreien und legen Zeugnis ab, bis heute, weil Jesus immer noch nicht als der Messias anerkannt wird.
Zweite Tempelreinigung
Im Tempel treibt er die Händler hinaus. „Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“
Die Führenden des Volkes suchen nach einem Weg, ihn zu töten, doch das Volk hängt an seinen Worten.
Währenddessen reift der Verrat: Judas sucht eine Gelegenheit, Jesus ohne Aufsehen auszuliefern.
Am Tag des Passah sendet Jesus, Petrus und Johannes voraus, um das Mahl vorzubereiten.
Ein Mann mit einem Wasserkrug führt sie zu einem Obersaal, wie Jesus es angekündigt hat.
Als die Stunde kommt, spricht Jesus davon, wie sehr er sich danach gesehnt hat, dieses Passah mit ihnen zu essen, bevor er leiden muss.
Er kündigt an, dass er erst wieder davon essen werde, wenn es erfüllt ist im Reich Gottes.
Dann setzt er das Mahl ein: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird… Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“
Doch mitten in dieser heiligen Stunde liegt der Schatten des Verrats.
„Die Hand dessen, der mich verrät, ist mit mir auf dem Tisch.“ Die Jünger fragen sich, wer es sein könnte — und geraten sofort in einen Streit darüber, wer der Größte unter ihnen sei.
Nichts begriffen. Jesus stellt klar: In seinem Reich herrscht der, der dient.
Er kündigt Petrus’ Verleugnung an, obwohl dieser schwört, mit ihm in den Tod zu gehen.
Dann geht Jesus mit seinen Jüngern an den Ölberg. In Gethsemane ringt er im Gebet, sein Schweiß wird wie Blut. Ein Engel stärkt ihn.
Doch die Jünger schlafen. „Betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt.“
Dann kommt die Schar. Judas verrät ihn mit einem Kuss. Einer der Jünger schlägt dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab, doch Jesus heilt ihn.
„Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.“
Petrus folgt von weitem und verleugnet Jesus dreimal, bis der Hahn kräht. Jesus wendet sich um und sieht ihn an. Petrus bricht zusammen und weint bitterlich.
Jesus wird verspottet, geschlagen, verhüllt, verhöhnt.
Vor dem Hohen Rat bekennt er: „Von nun an wird der Sohn des Menschen sitzen zur Rechten der Macht Gottes.“
Vor Pilatus und Herodes findet man keine Schuld an ihm.
Doch die Menge schreit: „Kreuzige ihn!“ Pilatus gibt nach. Barabbas wird freigelassen, Jesus ausgeliefert.
Auf dem Weg zur Kreuzigung begegnet Jesus den weinenden Frauen. „Weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder.“
Auf Golgatha wird er zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt. Er betet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Die Soldaten verspotten ihn, die Obersten verhöhnen ihn. Über ihm steht geschrieben: „Dieser ist der König der Juden.“
Einer der Verbrecher lästert, der andere bittet: „Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesus antwortet: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“
Von der sechsten bis zur neunten Stunde liegt Finsternis über dem Land. Der Vorhang im Tempel reißt von oben bis unten entzwei.
Jesus ruft: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Dann stirbt er.
Der Hauptmann erkennt: „Wahrlich, dieser Mensch war gerecht.“ Die Menschen schlagen sich an die Brust und gehen weg. Die Frauen aus Galiläa stehen in der Ferne und sehen alles.
Joseph von Arimathia bittet Pilatus um den Leib, legt ihn in ein neues Grab.
Die Frauen sehen zu, bereiten Salben vor und ruhen am Sabbat nach dem Gesetz.
Panik, Angst und Schrecken machen sich breit.
Wars das, sind sie einem Irrtum aufgesessen?
Auch wenn sie es immer noch nicht begreifen können, das war es nicht!

Betrachtung zur Fastenzeit 2026
Christliche Identität in einer postchristlichen Zeit
Wir leben in einer postchristlichen, zunehmend säkularen Gesellschaft.
Die großen Feste des Glaubens verlieren an Bedeutung.
Viele Menschen wissen nicht mehr, was Weihnachten, Ostern oder die Passionszeit eigentlich bedeuten. Gleichzeitig erleben wir kirchliche Strömungen, die das Evangelium aus Harmoniebedürfnis oder falsch verstandener Toleranz mit anderen religiösen Vorstellungen vermischen.
Doch gerade in dieser Zeit braucht es Klarheit.
Im Jahr 2026 fallen der islamische Ramadan
(18. Februar – 19. März)
und die christliche Passionszeit
(18. Februar – 03. April) zusammen.
Beide sprechen vom Fasten – aber aus völlig unterschiedlichen theologischen Gründen und mit völlig unterschiedlichen Zielrichtungen.
Darum müssen wir fragen:
Was bedeutet diese Gleichzeitigkeit für uns als Christen?
Christen stehen für Klarheit, Wahrheit und Respekt
Wir achten die Würde jedes Menschen und lehnen jede Form von Gewalt gegen Menschen und religiöse Symbole ab.
Aber ebenso klar gilt:
Wir geben unsere christliche Identität nicht auf – nicht aus Unsicherheit, nicht aus falsch verstandener Toleranz.
Wir haben erlebt, wie religiöse Feste in unserer Stadt aufeinandertrafen.
Als Ostern und das islamische Zuckerfest zeitgleich lagen, waren manche kirchliche Stimmen bereit, zentrale christliche Inhalte zu relativieren.
Bemerkenswert – und beschämend – war, dass damals nicht die Kirche, sondern die säkulare Stadtverwaltung erklären musste, was Ostern bedeutet und was an diesem Fest nicht verhandelbar ist.
Diese Erfahrung zeigt, wie leichtfertig die eigene Glaubensidentität preisgegeben werden kann.
Darum sagen wir heute deutlich:
Christliche Feste sind nicht beliebig.
Die Passionszeit ist eine geistliche Vorbereitung auf Ostern – wie der Advent auf Weihnachten.Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu Christi.
Kein Frühlingssymbol, kein kulturelles Ritual, sondern der Sieg des Lebens über den Tod.
Biblische Orientierung für Begegnungen mit Andersgläubigen
Die Bibel gibt eine klare Linie:
1. Kontakt ist erlaubt – und gewollt
Paulus schreibt:
„Und wenn ihr von anders Gläubigen eingeladen werdet und ihr hingehen wollt, so esst alles, was euch vorgesetzt wird…“ (1. Korinther 10,27)
Jesus aß mit Zöllnern und Sündern (Matthäus 9,10–13).
Er war mitten unter ihnen – ohne ihre Sünde zu teilen.
So kann Anwesenheit ein stilles Zeugnis sein: durch Liebe, Respekt und Klarheit.
2. Grenzen, wenn Gemeinschaft vom Glauben wegzieht
„Zieht nicht in einem fremden Joch mit Andersgläubigen…“ (2. Korinther 6,14–15)
Die Grenze ist erreicht, wenn aus normalen Besuchen Bindungen oder Kompromisse entstehen, die den Glauben verwässern.
Wenn bei einer Einladung religiöse Handlungen stattfinden, an denen man teilnehmen soll, gilt: freundlich, aber bestimmt Grenzen setzen – und auch ablehnen.
3. Keine Vermischung religiöser Wahrheiten
Multireligiöse „Gottesdienste“, in denen verschiedene Religionen nebeneinander beten, können leicht den Eindruck erwecken:
Alle Wege führen irgendwie zu Gott.
Das widerspricht dem Evangelium.
Das ist keine Abgrenzung aus Angst, sondern Wahrhaftigkeit.
Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! (Johannes 14,6)
Respekt ohne Relativismus
Wir achten Muslime, Juden und Menschen anderer Religionen als Mitbürger.
Aber wir tun nicht so, als seien unsere Glaubensüberzeugungen austauschbar.Wir widersprechen jeder Form von Gewalt oder Herabwürdigung.
Aber wir widersprechen ebenso jeder kirchlichen Haltung, die aus Beliebigkeit die eigene Botschaft aufgibt.Wir stehen für ein friedliches Miteinander – ohne Identitätsverlust.
Respekt bedeutet nicht Anbiederung.
Klarheit bedeutet nicht Feindschaft.
Biblische Einordnung: Jeremia 7,9–10
„Wie? Ihr lauft fremden Religionen nach, die ihr nicht kennt,
und dann kommt ihr her und tretet vor mich hin in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht:
Wir sind geheiligt! – und tut weiter solche Gräuel.“
Jeremia richtet sich nicht gegen andere Völker.
Er richtet sich gegen die eigene religiöse Selbsttäuschung.
Gott klagt an:
Ihr vermischt.
Ihr passt euch an.
Ihr lebt in Verblendung – und tut so, als sei alles in Ordnung.
Es ist eine Warnung vor religiöser Show, vor geistlicher Beliebigkeit, vor einem Glauben ohne Christus.
Diese Warnung ist heute aktueller denn je.
Unser Weg in die Passionszeit 2026
Wir bleiben bei Christus und seiner Wahrheit.
Nicht aus Tradition, sondern aus Überzeugung.
Wir bleiben bei der Botschaft des Evangeliums.
Nicht aus Sturheit, sondern aus Treue.
Wir bleiben bei der Würde jedes Menschen.
Nicht aus Ideologie, sondern aus Liebe.
Diese drei gehören untrennbar zusammen.
So gehen wir in diese Passionszeit:
mit Klarheit im Glauben,
mit Respekt im Miteinander,
mit Mut zur Wahrheit
und mit einem Herzen, das in Christus verwurzelt ist.
Amen
Einfach zurück lehnen Augen zu und zuhören
Der HERR festigt dem die Schritte, dessen Weg ihm gefällt. Kommt er zu Fall, so stürzt er doch nicht, denn der HERR stützt seine Hand.
Psalm 37,23-24
© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
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