
Schön,
dass Sie bei
uns
vorbeischauen.
Das Motto unserer Gemeinschaft
Gut, dass wir einander haben,
gut, dass wir einander sehn,
Sorgen, Freuden, Kräfte teilen
und auf einem Wege gehn.
Gut, dass wir nicht uns nur haben,
dass der Kreis sich niemals schließt
und dass Gott, von dem wir reden,
hier in unsrer Mitte ist.
Manfred Siebald
Wer mehr erfahren möchte ist herzlich Willkommen!
Aktuelle Veranstaltungen
Unsere Website bietet....
Einen Überblick über das aktuelle Gemeinschaftsgeschehen
Veranstaltungen zum kommen, mitfeiern und miterleben
Gelegenheit zum verweilen, zuhören, nachdenken und entschleunigen
christliche Impulse zum kirchlichen Jahreslauf,
laufende Aktualisierung.
Betrachtung zur Jahreslosung 2026
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“
(Offenbarung 21,5)
1.Einstieg: Wenn Vergangenes auf uns lastet
Jede und jeder von uns kennt diese Stunden, in denen das Vergangene schwer auf den Schultern liegt: Erlebnisse, die schmerzen, Gewohnheiten, die uns hemmen, Ängste, die uns klein halten. Hinzu kommt manchmal die Weltlage, die uns bedrückt und ratlos macht.
In solche Momente spricht Gott ein Wort, das weiter reicht als unser eigenes Vermögen: „Siehe, ich mache alles neu.“
Gott sagt nicht: Ich renoviere neu.
Gott sagt nicht: ich übertünche alles.
Gott sagt nicht: Ich mache alles anders.
Nicht: „Mach dich selbst neu.“
Nicht: „Strenge dich mehr an.“
Sondern: „Ich mache.“
Ein Satz, der die Schwere anerkennt, ihr aber nicht das letzte Wort lässt.
2. Der Kontext: Ein Wort aus Gottes Zukunft für unser Heute
Die Offenbarung ist kein Buch der Flucht, sondern eines des Trostes. Sie richtet sich an Menschen, die unter Druck stehen, die verunsichert und erschöpft sind. An Personen, die sich fragen: Bleibt Gott uns treu? Trägt seine Zusage? Gibt es eine Zukunft?
Mitten in diese Unsicherheit spricht der auf dem Thron: „Siehe, ich mache alles neu.“ Ein Wort aus der göttlichen Vollendung, das schon heute Kraft entfalten will. Ein Wort, das nicht an der Gegenwart vorbeigeht, sondern sie durchstrahlt.
3. Das Neue hat schon begonnen: Christus schafft neue Schöpfung
Paulus bringt es auf den Punkt: „Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)
Das Neue ist nicht erst in ferner Zukunft sichtbar. Es beginnt im Innersten, dort, wo Christus einzieht. Wo Menschen sich ihm öffnen, Vergebung geschieht, Mut wächst und jemand wieder aufsteht. Gott erneuert nicht erst irgendwann – er erneuert heute.
4. Erneuerung im Alltag: Wenn unser Äußeres ermüdet
Paulus kennt die Realität: Unser äußeres Leben vergeht – körperlich, seelisch, manchmal auch gesellschaftlich. Doch er sagt: „Der innere Mensch wird Tag für Tag erneuert.“
(2. Korinther 4,16)
Das ist die tägliche Zusage: Gott trägt. Christus bleibt. Der Heilige Geist gibt Kraft. Gerade dann, wenn es eng wird. Gerade dann, wenn wir keine Lösung mehr sehen. Gottes Erneuerung ist kein lautes Feuerwerk, sondern ein leiser, beständiger Prozess. Ein Hauch von Hoffnung. Ein Funke Mut. Ein Schritt, der gelingt, obwohl wir es nicht mehr erwartet hätten.
5. Die große Vollendung: Was Gott neu macht, bleibt für immer
Die Offenbarung öffnet uns den Blick auf das Ziel: Gott wird richten, heilen und vollenden. Er spricht: „Es ist geschehen! Ich bin das A und das O.“
Er, der die Welt geschaffen hat, führt sie auch zu ihrem Ziel. Den Durstigen gibt er Wasser des Lebens umsonst. Den Überwindenden nennt er sein Kind. Er schafft eine Welt, in der das Alte keine Macht mehr hat.
Und er benennt klar, was sich seiner Liebe widersetzt – nicht als Drohung, sondern um zu zeigen: Das Neue Gottes ist heilig, wahrhaftig, gerecht und frei von allem, was zerstört.
6. Im Heute das Neue leben: Zwischen Verheißung und Alltag
Wir leben zwischen zwei Polen: dem endgültigen Neuen, das Gott schaffen wird, und dem Neuen, das er heute in uns bewirkt. Wir werden vom Sohn getragen, vom Geist erneuert, von der Treue des Vaters gehalten.
So begleitet uns die Jahreslosung durch das Jahr: „Siehe, ich mache alles neu.“ Es ist ein Satz für die Müden, die Hoffenden, die Ratlosen, die an ihrem Glauben zweifeln. Ein Satz, der sagt: Gott bleibt nicht fern.
Er bleibt der Schöpfer, bleibt treu, bleibt an unserer Seite – bis Alles neu geworden ist.
7. Abschluss: Ein Gebet
Gott, du Ursprung und Ziel, du kennst unser Leben, unsere Begrenzungen, unsere Müdigkeit.
Sprich dein Wort des Neuanfangs in unsere Tage. Erneuere uns durch deinen Geist.
Stärke uns durch deinen Sohn. Lass uns schon heute aus dem Licht deiner kommenden Welt leben.
Amen.






Ostern und die letzten vierzig Tage von Jesus auf dieser Welt
Gesamtüberblick
Zwischen Ostern und Himmelfahrt liegen 40 Tage. In dieser Zeit werden mindestens 10–12 Begegnungen Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern berichtet.
1. Begegnung – Maria Magdalena
Ort: Grab / Garten
Text: Markus 16,9-11
Zeit: Früh am Ostermorgen
Besonderheit: Erste Zeugin der Auferstehung
Maria Magdalena steht frühmorgens am offenen Grab. Sie weint, Jesus war weg. Doch Jesus steht neben ihr, und sie erkennt ihn zunächst nicht.
Jesus hatte Maria Magdalena von sieben Dämonen befreit.
Seit 1973 haben diese „bösen Geister“ in der modernen Psychologie eine Bezeichnung: Multiple Persönlichkeitsstörung, heute als dissoziative Identitätsstörung bezeichnet.
Betroffene mit dieser Störung wurden als Kinder schwer misshandelt – körperlich, sexuell oder emotional.
Wer Genaueres wissen möchte, kann im Internet recherchieren.
Dass Maria Magdalena danach eine enge persönliche Beziehung zu Jesus entwickelte, ist aus heutiger Sicht nachvollziehbar.
Ebenso verständlich ist, dass der Tod Jesu für sie erneut einen traumatischen Schock bedeutete.
Aus dieser Perspektive lässt sich auch verstehen, dass sie als Erste am Grab sein wollte.
Dann muss sie erschüttert feststellen, dass Jesus nicht mehr da ist.
Kein Mensch kann sich wirklich in die Situation hineinversetzen und nachvollziehen, in welchem Gefühlskarussell sich Maria befand.
Der emotionale Ausbruch, den es bei ihr auslöste, als sie Jesus als Erste als den Auferstandenen erkannte – der nun keinen rein irdischen Körper mehr besaß, sondern einen Auferstehungsleib, leiblich und doch anders –, ist kaum vorstellbar.
Ebenso wenig lässt sich die Intensität dieses Moments wirklich begreifen.
Und sie durfte Ihn noch nicht berühren, doch das war für Maria dann nicht mehr entscheidend.
Dass sie danach überschwänglich vor Freude den anderen davon erzählen wollte, ist wiederum gut verständlich.
2. Begegnung – Die anderen Frauen am Grab
Ort: Auf dem Weg zum Grab
Zeit: Kurz nach Maria Magdalena
Abstand: Minuten bis etwa eine Stunde nach der ersten Begegnung
In der Zwischenzeit hatten sich auch die anderen Frauen auf den Weg gemacht – mit anderen Gedanken.
„Wer rollt uns den Stein vom Grab weg?“
Auch hier war die Irritation groß:
Die Wachen waren weg.
Der Stein war weg.
Jesus war weg.
Die Frauen waren rat- und sprachlos.
Als dann auch sie erfuhren, was sie eigentlich hätten wissen müssen und nun erst verstanden, gingen sie weg vom Grab und verkündigten alles den Elf und den übrigen Jüngern.
Da waren die Frauen wieder gemeinsam unterwegs: Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, sowie die anderen Frauen mit ihnen.
Sie sagten dies den Aposteln weiter.
3. Begegnung – Petrus und Johannes
Ort: Nicht genannt
Zeit: Am Ostertag
Abstand: Vermutlich am Vormittag
Den Jüngern erschienen diese Worte zunächst wie Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.
Petrus und Johannes jedoch standen auf, liefen zum Grab, bückten sich hinein und sahen nur die Leinentücher. Sie wunderten sich über das, was geschehen war.
Doch zwei Männer in weißen Kleidern erklärten auch ihnen die Situation:
„Was sucht ihr den Auferstandenen bei den Toten?“
4. Begegnung – Petrus
Ort: Nicht genannt
Zeit: Am Ostertag
Abstand: Vermutlich später Vormittag.
Warum Jesus, Petrus persönlich zum Einzelgespräch begegnete wird nur erwähnt, jedoch nicht weiter darauf eingegenen.
Es kann nur vermutet werden, dass es sich um ein Seelsorgerliches Gespräch handelte.
Denn Petrus benahm sich in seinem Verhalten wie eine Achterbahn.
Du bist der Christus: Glückselig – das hat dir mein Vater geoffenbart.
Dann widersprach er Jesus bei der dritten Leidensankündigung: weiche von mir Satan.
Ich gehe mit dir bis in den Tod; dann verleugnete er Jesus dreimal.
Das letzte was Petrus von Jesus vor der Kreuzigung sah, war der Blick beim krähen des Hahnes.
Und so wusste Petrus nicht wie Jesus, sein Verhalten bewerten würde.
(Vergl. Lukas 24,34+1.Korinther 15,5)
Der erste Tag ist noch nicht zu Ende"



5. Begegnung: Die Emmausjünger und die Begegnung im Abendmahlssaal
Am Nachmittag des Ostertages machen sich zwei Jünger tief enttäuscht und voller Trauer auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus.
Die Ereignisse der vergangenen Tage – die Kreuzigung Jesu, das Ende ihrer Hoffnungen und die verwirrenden Berichte vom leeren Grab – beschäftigen sie schwer.
Unterwegs schließt sich ihnen ein Fremder an, den sie nicht erkennen.
Er hört ihnen zu und erklärt ihnen geduldig die Schriften.
Er zeigt ihnen, dass der Messias leiden musste, um zur Herrlichkeit zu gelangen.
Während er spricht, beginnt in ihnen ein inneres Brennen, ohne dass sie dessen Bedeutung sofort begreifen.
Als sie Emmaus erreichen, laden sie den Fremden ein, bei ihnen zu bleiben. Beim gemeinsamen Mahl nimmt er das Brot, spricht den Segen, bricht es und gibt es ihnen.
In diesem Augenblick erkennen sie ihn als den auferstandenen Jesus. Doch sofort nach dieser Erkenntnis verschwindet er vor ihren Augen.
Tief bewegt und voller neuer Gewissheit brechen die beiden noch am selben Abend nach Jerusalem auf, um den anderen Jüngern von ihrer Begegnung zu berichten.
In Jerusalem treffen sie auf die versammelten Jünger, die bereits bekennen, dass der Herr auferstanden ist und Simon erschienen war.
Während sie erzählen, erscheint Jesus selbst mitten unter ihnen, obwohl die Türen verschlossen sind.
Kein „Geist“, kein Hologramm, kein Filmtrick – jetzt echter, anfassbarer Leib, mit Wundmalen.
Real, aber nicht mehr den alten Begrenzungen unterworfen.
Er spricht ihnen Frieden zu, zeigt ihnen seine Wunden und verwandelt ihre Angst in Freude.
Er sendet sie, wie er selbst vom Vater gesandt wurde, und schenkt ihnen durch den Heiligen Geist Kraft zur Vergebung und zu einem neuen Anfang.
Thomas ist bei dieser Begegnung nicht anwesend, was die Spannung für die folgende Geschichte offenlässt.

6. Die Begegnung Jesu mit Thomas wieder im Abendmahlsaal
Eine Woche war vergangen seit jenem ersten Ostertag.
Die Jünger hatten sich wieder im Abendmahlssaal versammelt, dem Raum, der ihnen inzwischen wie ein Zufluchtsort geworden war.
Die Türen waren wieder fest verschlossen – aus Vorsicht, aus Angst, vielleicht auch aus einer Art Schutz vor all dem, was sie noch nicht verstanden.
Dieses Mal war auch Thomas bei ihnen, der beim ersten Erscheinen Jesu gefehlt hatte.
Die Stimmung im Raum war gemischt: Hoffnung und Zweifel, Freude und Unsicherheit lagen dicht nebeneinander.
Die anderen hatten Thomas immer wieder versichert, dass Jesus ihnen wirklich erschienen war.
Doch Thomas konnte und wollte es nicht glauben.
Zu groß war sein Schmerz, zu tief die Wunde der Enttäuschung.
Er wollte Gewissheit, etwas, das er berühren konnte.
Und dann geschah es erneut. Ohne dass jemand die Tür öffnete, ohne ein Geräusch, stand Jesus plötzlich mitten unter ihnen.
Sein erster Satz war derselbe wie eine Woche zuvor: ein Gruß, der wie ein warmer Wind durch den Raum ging.
„Friede sei mit euch.“
Es war kein Vorwurf in seiner Stimme, kein Tadel – nur Frieden.
Dann wandte er sich direkt an Thomas.
Er sprach ihn an, als hätte er jedes seiner Worte gehört, jedes seiner Fragen, jeden Zweifel.
„Komm“, sagte er, „sieh meine Hände. Leg deine Hand in meine Seite.
Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“
Jesus bot ihm genau das an, was Thomas als Bedingung genannt hatte – nicht als Strafe, sondern als liebevolle Einladung.
Ob Thomas seine Finger wirklich in die Wundmale legte, bleibt offen.
Der Text sagt es nicht. Vielleicht brauchte er die Berührung gar nicht mehr.
Vielleicht genügte ihm der Blick in Jesu Gesicht, die Wärme seiner Stimme, die unbegreifliche Nähe des Auferstandenen.
Was wir wissen: In diesem Moment brach etwas in Thomas auf. Alles, was ihn zurückgehalten hatte – die Angst, die Trauer, der Zweifel – fiel von ihm ab.
Und aus seinem Herzen stieg ein Bekenntnis auf, das in seiner Klarheit einzigartig ist:
„Mein Herr und mein Gott!“
Keiner der anderen Jünger hatte Jesus je so angesprochen.
Aus Thomas, dem Zweifler, wurde der erste Bekenner, der Jesus so eindeutig als seinen Herrn und seinen Gott bekannte.
Jesus antwortete ihm mit einem Satz, der bis heute wie ein Geschenk an alle späteren Generationen klingt: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
Ein Satz, der Thomas nicht klein macht, sondern alle einschließt, die Jesus nicht mit eigenen Augen sehen – und ihm dennoch vertrauen.

7. Begegnung – Am See von Tiberias Fischfang
Ort: Galiläa
Zeit: Einige Zeit nach der Thomas-Begegnung, innerhalb der 40 Tage
Nach den bewegenden Tagen in Jerusalem waren die Jünger wieder in Galiläa.
Vieles lag schwer auf ihnen: Müdigkeit, innere Leere, eine Art schales Nachklingen der Ereignisse.
Petrus bringt es schließlich aussprechbar auf den Punkt: „Ich gehe fischen.“
Nicht, weil er plötzlich wieder Lust auf Arbeit hätte.
Sondern weil er etwas braucht, das er kennt.
Eine Routine, die man auch mit leerem Kopf und schwerem Herzen noch schafft. Die anderen gehen mit.
Man kennt das: gemeinsam in einer Stimmung hängen, die eigentlich niemand will, aber aus der man auch nicht herausfindet.
Die Nacht passt sich ihnen an. Dunkel, still, ereignislos.
Die Netze bleiben leer – so leer wie ihre Gedanken, so leer wie die Hoffnung, die ihnen immer wieder entgleitet.
Als der Morgen graut, sind sie erschöpft und frustriert.
Und gerade da steht jemand am Ufer.
Ein Mann, den sie nicht erkennen.
Wieder nicht.
Er spricht sie an – und wie er sie anspricht: „Kinder, habt ihr etwas zu essen?“
Sie haben nichts.
Natürlich nicht. Und wieder kommt diese Aufforderung, die sie schon einmal gehört haben: „Werft das Netz noch einmal aus.“
Man möchte meinen, sie würden protestieren. „Ach nein, nicht schon wieder…“ Aber sie tun es. Vielleicht aus Müdigkeit, vielleicht aus einem Rest Vertrauen, vielleicht einfach noch ein letzter Versuch.
Und dann geschieht es: das Netz füllt sich.
Übervoll. Ein Déjà-vu, so deutlich, dass es fast schmerzt.
Und doch: sie erkennen ihn immer noch nicht. Erst Johannes spürt es aufleuchten: „Es ist der Herr!“
Petrus, der nackt gearbeitet hat, wirft sich hastig etwas über und springt ins Wasser. Ein Reflex aus Scham, aus Sehnsucht, aus Überforderung. Alles zugleich.
Am Ufer brennt ein Kohlenfeuer.
Auf dem Feuer liegen bereits Fisch und Brot. Jesus hat alles vorbereitet.
Und doch sagt er: „Bringt her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt.“
Ein Satz, über den man leicht stolpert. Warum sollen sie noch etwas bringen, wenn doch schon alles da ist?
Gerade darin liegt Tiefe:
Jesus hat schon alles – und bezieht sie trotzdem ein.
Er braucht ihre Fische nicht. Aber er will ihre Mitarbeit. Er will, dass das, was sie unter seiner Führung getan haben, Teil des gemeinsamen Mahls wird.Ihr Fang wird gewürdigt.
Der große Fang ist sein Geschenk. Doch er nennt ihn „eure Fische“. Er ehrt ihren Gehorsam, ihre Mühe, ihre Nacht, ihre Müdigkeit.Gemeinschaft entsteht, indem beide Seiten etwas einbringen.
Sein Brot, ihre Fische. Sein Feuer, ihre Arbeit. Ein Mahl, das nicht einseitig ist, sondern Beziehung ausdrückt.Ein Vorausbild ihres zukünftigen Dienstes.
Bald wird Jesus zu Petrus sagen: „Weide meine Schafe.“
Bald werden sie Menschen fischen. Und was sie „fangen“, bringen sie zu Jesus – er ist der Gastgeber.
Das Frühstück verläuft wortkarg.
Nicht aus Distanz, sondern weil die Jünger noch zwischen Staunen, Scham, Erleichterung und Überforderung schwanken.
Jesus teilt das Brot und den Fisch aus. Er, der Auferstandene, dient ihnen.
Wieder.
Hier endet bei Johannes die gemeinsame Mahlzeit – aber nicht Jesu Sendung.
Denn nun, nach dem Essen, beginnt das Gespräch, das Petrus neu aufrichtet und in seinen Dienst ruft.
Doch das ist der nächste Schritt.

8. Begegnung – Die Sendung an Petrus: „Weide meine Schafe“
Ort: Am See von Tiberias
Zeit: Direkt im Anschluss an das gemeinsame Mahl
Text: Johannes 21,15–19
Die Glut des Kohlenfeuers glimmt noch. Die Jünger sitzen da, satt, aber innerlich noch nicht zur Ruhe gekommen.
Jesus hat ihnen gedient, hat Brot und Fisch ausgeteilt, hat sie in ihrer Müdigkeit nicht gedrängt.
Doch jetzt steht er auf.
Er wendet sich Petrus zu.
Und man spürt: Jetzt geschieht etwas Entscheidendes.
Petrus folgt ihm ein paar Schritte.
Vielleicht ahnt er, dass dieser Moment kommen musste.
Dass Liebe und Versagen nicht nebeneinander stehen bleiben können, ohne dass etwas ausgesprochen wird.
Dass Heilung nicht im Schweigen wächst, sondern im ehrlichen Blick Jesu.
Dann stellt Jesus die Frage, die tiefer geht als jede andere:
„Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“
Nicht: „Warum hast du mich verleugnet?“
Nicht: „Wie konntest du nur?“
Sondern: „Liebst du mich?“
Dreimal.
So oft wie Petrus ihn verleugnet hat.
Nicht um die Wunde zu vergrößern, sondern um sie zu schließen.
Jede Frage ist wie ein Faden, der die zerrissene Beziehung wieder zusammennäht.
Und jedes Mal verbindet Jesus die Antwort mit einem Auftrag:
„Weide meine Lämmer.“
Die jungen, zarten Anfänge des Glaubens.
Die ersten Gemeinden, die Schutz brauchen, Nahrung, Nähe.
Die, die noch nicht stehen können, ohne gehalten zu werden.
„Hüte meine Schafe.“
Leiten. Bewahren. Schützen.
Nicht herrschen, sondern tragen.
Nicht kontrollieren, sondern begleiten.
„Weide meine Schafe.“
Die ganze Herde.
Die, die schon lange unterwegs sind.
Die messianischen Juden, die ersten Heiden - Christen, die wachsende Gemeinschaft.
Und – wie Jesus an anderer Stelle sagt – jene „aus anderen Ställen“, die noch dazukommen sollen.
Und immer sagt Jesus:
„meine Schafe“.
Nicht: „deine Gemeinde“, „dein Werk“, „deine Verantwortung“.
Jesus bleibt der Hirte.
Petrus bleibt Diener.
Ein Verwalter der Liebe, nicht ein Besitzer der Herde.
Was zeigt das über Jesus?
- Er gibt Menschen nach schwerem Versagen nicht auf.
Petrus’ Bruch ist nicht das Ende, sondern der Anfang seines Dienstes. - Er verbindet Liebe zu ihm direkt mit Liebe zu anderen.
„Liebst du mich? … Weide meine Schafe.“
Liebe zu Jesus ist nie privat, nie nur innerlich.
Sie wird sichtbar im Umgang mit Menschen. - Er traut Verantwortung zu, wo andere nur Schuld sehen würden.
Jesus sieht nicht den Mann, der gefallen ist, sondern den, der aufstehen kann. - Er baut Zukunft aus zerbrochenen Herzen.
Petrus wird nicht trotz, sondern durch seine Geschichte zum Hirten.
Und doch… die große Herde ist bis heute nicht eins.
Jesus spricht von einer Herde, die er zusammenführen will.
Von Schafen aus verschiedenen Ställen.
Von einer Einheit, die er selbst wirken möchte.
Aber die Geschichte zeigt:
Macht, Angst, Verblendung, Verletzungen – die ganze menschliche Bandbreite – hat diese Einheit immer wieder verhindert.
Nicht Jesus scheitert daran, sondern wir.
Und trotzdem bleibt sein Ruf:
„Folge mir nach.“
Nicht: „Schau auf die anderen.“
Nicht: „Vergleiche dich.“
Nicht: „Beurteile, wer richtig liegt.“
Sondern: „Folge du mir.“
Ein Ruf, der Petrus gilt.
Ein Ruf, der der Kirche gilt.
Ein Ruf, der uns gilt.

9. Begegnung – „Was geht es dich an? Folge du mir.“
Ort: Am See von Tiberias
Zeit: Unmittelbar nach der dreifachen Frage Jesu an Petrus
Text: Johannes 21,20–23.
Der Auftrag ist gesprochen.
Die Wunde ist berührt und geheilt.
Petrus steht da – neu gerufen, neu gesandt, neu gehalten.
Und doch ist er noch derselbe Mensch: impulsiv, verunsichert, suchend.
Kaum hat Jesus gesagt: „Folge mir nach“, da dreht Petrus sich um.
Ein Reflex, so menschlich wie atmen.
Er sieht Johannes hinter sich gehen – den Jünger, den Jesus lieb hatte, den, der beim letzten Mahl an Jesu Brust lag.
Vielleicht spürt Petrus einen Stich.
Vielleicht fragt er sich, warum Johannes ihnen folgt.
Vielleicht vergleicht er sich.
Vielleicht sucht er Bestätigung.
Vielleicht fürchtet er, weniger wichtig zu sein.
Und so fragt er:
„Herr, was wird aber mit diesem?“
Ein Satz, der aus der Tiefe menschlicher Unsicherheit kommt.
Ein Satz, der zeigt, wie schnell wir nach rechts und links schauen, selbst im Moment unserer Berufung.
Ein Satz, der offenlegt, wie sehr wir uns vergleichen, messen, einordnen wollen.
Doch Jesus antwortet nicht mit Ärger.
Nicht mit Vorwurf.
Nicht mit einem theologischen Vortrag.
Er sagt schlicht:
„Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme – was geht es dich an? Folge du mir nach.“.
Ein Satz wie ein Kompass.
Ein Satz, der Petrus zurückholt auf seinen Weg.
Ein Satz, der die Versuchung des Vergleichens entlarvt.
Ein Satz, der die Freiheit der Nachfolge öffnet.
Jesus sagt damit:
Du musst nicht wissen, welchen Weg der andere geht.
Du musst nicht verstehen, was ich mit ihm vorhabe.
Du musst nicht vergleichen, wer wichtiger, näher, stärker, treuer ist.
Du musst nur eines: mir folgen.
Es ist eine liebevolle Korrektur.
Eine Erinnerung daran, dass Nachfolge nie in Konkurrenz steht.
Dass jeder seinen eigenen Weg hat, seine eigene Geschichte, seine eigene Berufung.
Dass Jesus mit jedem Menschen anders geht – und doch mit derselben Liebe.
Und zugleich zeigt dieser Moment, wie schnell Missverständnisse entstehen können.
Denn die Jünger deuten Jesu Worte falsch und verbreiten:
„Johannes wird nicht sterben.“
Doch der Text klärt es sofort:
Jesus hat das nie gesagt.
Er hat nur gesagt:
„Wenn ich will… was geht es dich an?“
Es ist ein Satz, der bis heute gilt.
Für Gemeinden.
Für Kirchen.
Für jeden Einzelnen.


Samstag – Nacht
Gott,
Wie ein wärmender Mantel legt sich die Stille des Abends um mich.
Ein schöner Frühlingstag geht zu Ende.
Danke für die erwachende Natur in dieser Zeit.
In dieser Ruhe taucht Sehnsucht auf, die der Tag verborgen hielt:
Das stille Verlangen nach deinem Frieden, nach deiner Nähe,
nach deinem Wort, das mein Herz bewegt.
Gott, du bist auch Herr der Nacht, und bleibst bei mir
und lass in mir das Sehnen wachsen, dir am Sonntag besonders nahe zu sein.
Amen

Gebet am Sonntagmorgen.
Danke, Vater,
Für den Sonntagmorgen, an dem sich der Frühling durch das Fenster bemerkbar macht.
Die frische Morgenluft erfüllt den Raum, und das Zwitschern der Vögel ist wieder zu vernehmen.
Die Welt erwacht leise aus ihrem Schlaf und schenkt uns neue Hoffnung.
Lass uns an diesem Sonntag die kleinen Dinge wertschätzen und uns an ihnen erfreuen.
Segne heute besonders die Konfirmandinnen und Konfimanden, dass ihnen das gehörte und gelernte, bewusst wird, jetzt oder später.
Dass dein Wort nicht ins leere geht, sondern auf fruchtbaren Boden fällt, und tiefe Wurzeln in ihren Herzen schlägt.
Und gib den Parrerinnen und Pfarrer die richtigen Worte, dass sie zum Segen dieser Generation werden.
Lass uns diesen Tag ganz auf dich ausgerichtet und voller Dankbarkeit mit dir verbringen.
Amen
Gott hat den Menschen aufrichtig gemacht; aber sie suchen viele Künste.
Prediger 7,29
© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie hier.






