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                   uns

                   vorbeischauen.

Das Motto unserer Gemeinschaft

 

Gut, dass wir einander haben,

gut, dass wir einander sehn,

Sorgen, Freuden, Kräfte teilen

und auf einem Wege gehn.

Gut, dass wir nicht uns nur haben,

dass der Kreis sich niemals schließt

und dass Gott, von dem wir reden,

hier in unsrer Mitte ist.

Manfred Siebald

 

Wer mehr erfahren möchte ist herzlich Willkommen!

 

Unsere Website bietet....

 

Einen Überblick über das aktuelle Gemeinschaftsgeschehen

Veranstaltungen zum kommen, mitfeiern und miterleben

Gelegenheit zum verweilen, zuhören, nachdenken und entschleunigen

christliche Impulse zum kirchlichen Jahreslauf,

laufende Aktualisierung. 

 

 

Betrachtung zur Jahreslosung 2026

„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“

(Offenbarung 21,5)

 

1.Einstieg: Wenn Vergangenes auf uns lastet

Jede und jeder von uns kennt diese Stunden, in denen das Vergangene schwer auf den Schultern liegt: Erlebnisse, die schmerzen, Gewohnheiten, die uns hemmen, Ängste, die uns klein halten. Hinzu kommt manchmal die Weltlage, die uns bedrückt und ratlos macht.

In solche Momente spricht Gott ein Wort, das weiter reicht als unser eigenes Vermögen: „Siehe, ich mache alles neu.“

Gott sagt nicht: Ich renoviere neu.       

Gott sagt nicht: ich übertünche alles.
Gott sagt nicht: Ich mache alles anders.

 

Nicht: „Mach dich selbst neu.“

Nicht: „Strenge dich mehr an.“

Sondern: „Ich mache.“

Ein Satz, der die Schwere anerkennt, ihr aber nicht das letzte Wort lässt.

2. Der Kontext: Ein Wort aus Gottes Zukunft für unser Heute

Die Offenbarung ist kein Buch der Flucht, sondern eines des Trostes. Sie richtet sich an Menschen, die unter Druck stehen, die verunsichert und erschöpft sind. An Personen, die sich fragen: Bleibt Gott uns treu? Trägt seine Zusage? Gibt es eine Zukunft?

Mitten in diese Unsicherheit spricht der auf dem Thron: „Siehe, ich mache alles neu.“ Ein Wort aus der göttlichen Vollendung, das schon heute Kraft entfalten will. Ein Wort, das nicht an der Gegenwart vorbeigeht, sondern sie durchstrahlt.

3. Das Neue hat schon begonnen: Christus schafft neue Schöpfung

Paulus bringt es auf den Punkt: „Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Das Neue ist nicht erst in ferner Zukunft sichtbar. Es beginnt im Innersten, dort, wo Christus einzieht. Wo Menschen sich ihm öffnen, Vergebung geschieht, Mut wächst und jemand wieder aufsteht. Gott erneuert nicht erst irgendwann – er erneuert heute.

4. Erneuerung im Alltag: Wenn unser Äußeres ermüdet

Paulus kennt die Realität: Unser äußeres Leben vergeht – körperlich, seelisch, manchmal auch gesellschaftlich. Doch er sagt: „Der innere Mensch wird Tag für Tag erneuert.“

(2. Korinther 4,16)

Das ist die tägliche Zusage: Gott trägt. Christus bleibt. Der Heilige Geist gibt Kraft. Gerade dann, wenn es eng wird. Gerade dann, wenn wir keine Lösung mehr sehen. Gottes Erneuerung ist kein lautes Feuerwerk, sondern ein leiser, beständiger Prozess. Ein Hauch von Hoffnung. Ein Funke Mut. Ein Schritt, der gelingt, obwohl wir es nicht mehr erwartet hätten.

5. Die große Vollendung: Was Gott neu macht, bleibt für immer

Die Offenbarung öffnet uns den Blick auf das Ziel: Gott wird richten, heilen und vollenden. Er spricht: „Es ist geschehen! Ich bin das A und das O.“

Er, der die Welt geschaffen hat, führt sie auch zu ihrem Ziel. Den Durstigen gibt er Wasser des Lebens umsonst. Den Überwindenden nennt er sein Kind. Er schafft eine Welt, in der das Alte keine Macht mehr hat.

Und er benennt klar, was sich seiner Liebe widersetzt – nicht als Drohung, sondern um zu zeigen: Das Neue Gottes ist heilig, wahrhaftig, gerecht und frei von allem, was zerstört.

6. Im Heute das Neue leben: Zwischen Verheißung und Alltag

Wir leben zwischen zwei Polen: dem endgültigen Neuen, das Gott schaffen wird, und dem Neuen, das er heute in uns bewirkt. Wir werden vom Sohn getragen, vom Geist erneuert, von der Treue des Vaters gehalten.

So begleitet uns die Jahreslosung durch das Jahr: „Siehe, ich mache alles neu.“ Es ist ein Satz für die Müden, die Hoffenden, die Ratlosen, die an ihrem Glauben zweifeln. Ein Satz, der sagt: Gott bleibt nicht fern.

Er bleibt der Schöpfer, bleibt treu, bleibt an unserer Seite – bis Alles neu geworden ist.

7. Abschluss: Ein Gebet

Gott, du Ursprung und Ziel, du kennst unser Leben, unsere Begrenzungen, unsere Müdigkeit.

Sprich dein Wort des Neuanfangs in unsere Tage. Erneuere uns durch deinen Geist.

Stärke uns durch deinen Sohn. Lass uns schon heute aus dem Licht deiner kommenden Welt leben.

Amen.

 

7. Begegnung – Am See von Tiberias Fischfang

 

Ort: Galiläa
Zeit: Einige Zeit nach der Thomas-Begegnung, innerhalb der 40 Tage

Nach den bewegenden Tagen in Jerusalem waren die Jünger wieder in Galiläa.

Vieles lag schwer auf ihnen: Müdigkeit, innere Leere, eine Art schales Nachklingen der Ereignisse.

Petrus bringt es schließlich aussprechbar auf den Punkt: „Ich gehe fischen.“
Nicht, weil er plötzlich wieder Lust auf Arbeit hätte.

Sondern weil er etwas braucht, das er kennt.

Eine Routine, die man auch mit leerem Kopf und schwerem Herzen noch schafft. Die anderen gehen mit.

Man kennt das: gemeinsam in einer Stimmung hängen, die eigentlich niemand will, aber aus der man auch nicht herausfindet.

Die Nacht passt sich ihnen an. Dunkel, still, ereignislos.

Die Netze bleiben leer – so leer wie ihre Gedanken, so leer wie die Hoffnung, die ihnen immer wieder entgleitet.

Als der Morgen graut, sind sie erschöpft und frustriert.

Und gerade da steht jemand am Ufer.

Ein Mann, den sie nicht erkennen.

 

Wieder nicht.
 

Er spricht sie an – und wie er sie anspricht: „Kinder, habt ihr etwas zu essen?“
Sie haben nichts.

Natürlich nicht. Und wieder kommt diese Aufforderung, die sie schon einmal gehört haben: „Werft das Netz noch einmal aus.“
 

Man möchte meinen, sie würden protestieren. „Ach nein, nicht schon wieder…“ Aber sie tun es. Vielleicht aus Müdigkeit, vielleicht aus einem Rest Vertrauen, vielleicht einfach noch ein letzter Versuch.

Und dann geschieht es: das Netz füllt sich.

Übervoll. Ein Déjà-vu, so deutlich, dass es fast schmerzt.

Und doch: sie erkennen ihn immer noch nicht. Erst Johannes spürt es aufleuchten: „Es ist der Herr!“
 

Petrus, der nackt gearbeitet hat, wirft sich hastig etwas über und springt ins Wasser. Ein Reflex aus Scham, aus Sehnsucht, aus Überforderung. Alles zugleich.

Am Ufer brennt ein Kohlenfeuer.

Auf dem Feuer liegen bereits Fisch und Brot. Jesus hat alles vorbereitet.

Und doch sagt er: „Bringt her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt.“
 

Ein Satz, über den man leicht stolpert. Warum sollen sie noch etwas bringen, wenn doch schon alles da ist?

Gerade darin liegt Tiefe:

  • Jesus hat schon alles – und bezieht sie trotzdem ein.
    Er braucht ihre Fische nicht. Aber er will ihre Mitarbeit. Er will, dass das, was sie unter seiner Führung getan haben, Teil des gemeinsamen Mahls wird.

  • Ihr Fang wird gewürdigt.
    Der große Fang ist sein Geschenk. Doch er nennt ihn „eure Fische“. Er ehrt ihren Gehorsam, ihre Mühe, ihre Nacht, ihre Müdigkeit.

  • Gemeinschaft entsteht, indem beide Seiten etwas einbringen.
    Sein Brot, ihre Fische. Sein Feuer, ihre Arbeit. Ein Mahl, das nicht einseitig ist, sondern Beziehung ausdrückt.

  • Ein Vorausbild ihres zukünftigen Dienstes.
    Bald wird Jesus zu Petrus sagen: „Weide meine Schafe.“
    Bald werden sie Menschen fischen. Und was sie „fangen“, bringen sie zu Jesus – er ist der Gastgeber.

Das Frühstück verläuft wortkarg.

Nicht aus Distanz, sondern weil die Jünger noch zwischen Staunen, Scham, Erleichterung und Überforderung schwanken.

Jesus teilt das Brot und den Fisch aus. Er, der Auferstandene, dient ihnen.

Wieder.

Hier endet bei Johannes die gemeinsame Mahlzeit – aber nicht Jesu Sendung.
 

Denn nun, nach dem Essen, beginnt das Gespräch, das Petrus neu aufrichtet und in seinen Dienst ruft.

Doch das ist der nächste Schritt.

 

8. Begegnung – Die Sendung an Petrus: „Weide meine Schafe“

Ort: Am See von Tiberias
Zeit: Direkt im Anschluss an das gemeinsame Mahl
Text: Johannes 21,15–19

Die Glut des Kohlenfeuers glimmt noch. Die Jünger sitzen da, satt, aber innerlich noch nicht zur Ruhe gekommen.
Jesus hat ihnen gedient, hat Brot und Fisch ausgeteilt, hat sie in ihrer Müdigkeit nicht gedrängt.
Doch jetzt steht er auf.
Er wendet sich Petrus zu.
Und man spürt: Jetzt geschieht etwas Entscheidendes.

Petrus folgt ihm ein paar Schritte.
Vielleicht ahnt er, dass dieser Moment kommen musste.
Dass Liebe und Versagen nicht nebeneinander stehen bleiben können, ohne dass etwas ausgesprochen wird.
Dass Heilung nicht im Schweigen wächst, sondern im ehrlichen Blick Jesu.

Dann stellt Jesus die Frage, die tiefer geht als jede andere:
„Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“

Nicht: Warum hast du mich verleugnet?“
Nicht: „Wie konntest du nur?“
Sondern: „Liebst du mich?“

Dreimal.
So oft wie Petrus ihn verleugnet hat.
Nicht um die Wunde zu vergrößern, sondern um sie zu schließen.
Jede Frage ist wie ein Faden, der die zerrissene Beziehung wieder zusammennäht.

Und jedes Mal verbindet Jesus die Antwort mit einem Auftrag:

„Weide meine Lämmer.“

Die jungen, zarten Anfänge des Glaubens.
Die ersten Gemeinden, die Schutz brauchen, Nahrung, Nähe.
Die, die noch nicht stehen können, ohne gehalten zu werden.

„Hüte meine Schafe.“

Leiten. Bewahren. Schützen.
Nicht herrschen, sondern tragen.
Nicht kontrollieren, sondern begleiten.

„Weide meine Schafe.“

Die ganze Herde.
Die, die schon lange unterwegs sind.
Die messianischen Juden, die ersten Heiden - Christen, die wachsende Gemeinschaft.
Und – wie Jesus an anderer Stelle sagt – jene „aus anderen Ställen“, die noch dazukommen sollen.

Und immer sagt Jesus:
„meine Schafe“.
Nicht: „deine Gemeinde“, „dein Werk“, „deine Verantwortung“.
Jesus bleibt der Hirte.
Petrus bleibt Diener.
Ein Verwalter der Liebe, nicht ein Besitzer der Herde.

Was zeigt das über Jesus?

  • Er gibt Menschen nach schwerem Versagen nicht auf.
    Petrus’ Bruch ist nicht das Ende, sondern der Anfang seines Dienstes.
  • Er verbindet Liebe zu ihm direkt mit Liebe zu anderen.
    „Liebst du mich? … Weide meine Schafe.“
    Liebe zu Jesus ist nie privat, nie nur innerlich.
    Sie wird sichtbar im Umgang mit Menschen.
  • Er traut Verantwortung zu, wo andere nur Schuld sehen würden.
    Jesus sieht nicht den Mann, der gefallen ist, sondern den, der aufstehen kann.
  • Er baut Zukunft aus zerbrochenen Herzen.
    Petrus wird nicht trotz, sondern durch seine Geschichte zum Hirten.

 

Und doch… die große Herde ist bis heute nicht eins.

Jesus spricht von einer Herde, die er zusammenführen will.
Von Schafen aus verschiedenen Ställen.
Von einer Einheit, die er selbst wirken möchte.

Aber die Geschichte zeigt:
Macht, Angst, Verblendung, Verletzungen – die ganze menschliche Bandbreite – hat diese Einheit immer wieder verhindert.
Nicht Jesus scheitert daran, sondern wir.

Und trotzdem bleibt sein Ruf:
„Folge mir nach.“
Nicht: „Schau auf die anderen.“
Nicht: „Vergleiche dich.“
Nicht: „Beurteile, wer richtig liegt.“
Sondern: „Folge du mir.“

Ein Ruf, der Petrus gilt.
Ein Ruf, der der Kirche gilt.
Ein Ruf, der uns gilt.

 

9. Begegnung – „Was geht es dich an? Folge du mir.“

Ort: Am See von Tiberias
Zeit: Unmittelbar nach der dreifachen Frage Jesu an Petrus
Text: Johannes 21,20–23.

Der Auftrag ist gesprochen.
Die Wunde ist berührt und geheilt.
Petrus steht da – neu gerufen, neu gesandt, neu gehalten.
Und doch ist er noch derselbe Mensch: impulsiv, verunsichert, suchend.

Kaum hat Jesus gesagt: „Folge mir nach“, da dreht Petrus sich um.
Ein Reflex, so menschlich wie atmen.
Er sieht Johannes hinter sich gehen – den Jünger, den Jesus lieb hatte, den, der beim letzten Mahl an Jesu Brust lag.
Vielleicht spürt Petrus einen Stich.
Vielleicht fragt er sich, warum Johannes ihnen folgt.
Vielleicht vergleicht er sich.
Vielleicht sucht er Bestätigung.
Vielleicht fürchtet er, weniger wichtig zu sein.

Und so fragt er:
„Herr, was wird aber mit diesem?“

Ein Satz, der aus der Tiefe menschlicher Unsicherheit kommt.
Ein Satz, der zeigt, wie schnell wir nach rechts und links schauen, selbst im Moment unserer Berufung.
Ein Satz, der offenlegt, wie sehr wir uns vergleichen, messen, einordnen wollen.

Doch Jesus antwortet nicht mit Ärger.
Nicht mit Vorwurf.
Nicht mit einem theologischen Vortrag.

Er sagt schlicht:
„Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme – was geht es dich an? Folge du mir nach.“.

Ein Satz wie ein Kompass.
Ein Satz, der Petrus zurückholt auf seinen Weg.
Ein Satz, der die Versuchung des Vergleichens entlarvt.
Ein Satz, der die Freiheit der Nachfolge öffnet.

Jesus sagt damit:

  • Du musst nicht wissen, welchen Weg der andere geht.

  • Du musst nicht verstehen, was ich mit ihm vorhabe.

  • Du musst nicht vergleichen, wer wichtiger, näher, stärker, treuer ist.

  • Du musst nur eines: mir folgen.

Es ist eine liebevolle Korrektur.
Eine Erinnerung daran, dass Nachfolge nie in Konkurrenz steht.
Dass jeder seinen eigenen Weg hat, seine eigene Geschichte, seine eigene Berufung.
Dass Jesus mit jedem Menschen anders geht – und doch mit derselben Liebe.

Und zugleich zeigt dieser Moment, wie schnell Missverständnisse entstehen können.
Denn die Jünger deuten Jesu Worte falsch und verbreiten:
„Johannes wird nicht sterben.“
Doch der Text klärt es sofort:
Jesus hat das nie gesagt.
Er hat nur gesagt:
„Wenn ich will… was geht es dich an?“

Es ist ein Satz, der bis heute gilt.
Für Gemeinden.
Für Kirchen.
Für jeden Einzelnen.

10. Begegnung – Auf einem Berg in Galiläa: Der Missionsauftrag

Ort: Ein Berg in Galiläa
Zeit: Vermutlich Mitte der 40 Tage

 

Text: Matthäus 28,16–20

Die Jünger steigen den Berg hinauf, den Jesus ihnen genannt hat.
Ein vertrauter Ort, und doch ist alles anders.
Sie sehen ihn – und einige fallen nieder, andere zweifeln noch.
Beides darf nebeneinander stehen: Anbetung und Unsicherheit.
Jesus weist keinen zurück.

Dann spricht er Worte, die größer sind als der Berg, größer als Galiläa, größer als die Zeit:

„Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“

Es ist kein Triumphschrei.
Es ist ein Zuspruch.
Ein Fundament, auf dem man stehen kann.

Und dann sendet er sie:

  • Geht hin.

  • Macht zu Jüngern.

  • Tauft.

  • Lehrt.

Nicht aus eigener Kraft, sondern getragen von seiner Gegenwart.
Denn der Auftrag endet mit einer Verheißung, die die ganze Kirche trägt:

„Ich bin bei euch alle Tage.“

Nicht: „Ich schaue zu.“
 

Nicht: „Ich warte auf euch.“
 

Sondern: „Ich bin da.“

Der Berg wird zum Ausgangspunkt einer Bewegung, die bis heute nicht zum Stillstand gekommen ist.
 

Eine Begegnung, die nicht nur sendet, sondern begleitet.

 

11. Begegnung – Mehr als 500 Brüder und Schwestern

 

Ort: Vermutlich Galiläa
Zeit: Innerhalb der 40 Tage

 

Text: 1. Korinther 15,6 + Matthäus 28,7+10

 

Paulus erwähnt sie nur kurz – und doch ist diese Begegnung gewaltig.

Matthäus deutet es ebenfalls an, jedoch in anderen Worten;

Geht hin, verkündet meinen Brüdern, dass sie hingehen nach Galiläa!

Und dort werden sie mich sehen.
 

Brüder sind mehr als Elf die Jesus ausdrücklich erwähnte.

Mehr als fünfhundert Menschen auf einmal sehen den Auferstandenen.
Kein kleiner Kreis, keine intime Szene, sondern ein, gemeinschaftliches Erleben.

Jedoch kein öffentlicher Auftritt mehr für die Allgemeinheit.

Vielleicht war es ein Gottesdienst, eine letzte Predigt unter freiem Himmel.

Vielleicht ein Moment, in dem die Hoffnung, die Erwartung aufkeimte, doch noch etwas greifbares zu erfahren das Ihrer Vorstellung entsprach.

Doch Nein. Und Paulus?

Paulus bezog sich auf das Ereignis als Grundlage, die Zweifler seiner Zeit, die Auferstehung durch Zeitzeugen zu belegen.
 

Sie können bezeugen, was sie gesehen haben.
Die Auferstehung ist kein verborgenes Geheimnis, sondern ein Ereignis, das Menschen in Scharen erfasst hat.

Diese Begegnung zeigt:

  • Der Glaube ist nicht nur persönlich, sondern gemeinschaftlich.

  • Die Auferstehung ist nicht nur für Einzelne, sondern für viele.

  • Jesus begegnet nicht nur im Stillen, sondern auch im Großen.

Es ist ein Vorgeschmack auf Pfingsten:
 

Ein Glaube, der Menschen zusammenführt.
 

Eine Hoffnung, die sich vervielfältigt.
 

Ein Christus, der mitten unter ihnen steht.

 

12. Begegnung – Jakobus

Ort: Nicht genannt
Zeit: Innerhalb der 40 Tage
Text: 1. Korinther 15,7

Nur ein Satz.
Nur ein Name.
Und doch eine der persönlichsten Begegnungen überhaupt.

Jesus erscheint Jakobus.

Jakobus, der Bruder Jesu.
Der Skeptiker.
Der, der während Jesu Wirken nicht an ihn glaubte.
Der, der später Leiter der Jerusalemer Urgemeinde wird.

Was mag in diesem Moment geschehen sein?
Zwei Brüder, die sich ansehen.
Der eine, der gestorben war und lebt.
Der andere, der zweifelte – und nun überwältigt ist.

Vielleicht war es ein stilles Gespräch.
Vielleicht Tränen.
Vielleicht ein Lachen, das aus Erleichterung kommt.
Vielleicht ein langer Blick, der mehr sagt als Worte.

Diese Begegnung zeigt:

  • Jesus begegnet auch denen, die gezweifelt haben.

  • Er ruft Menschen in Verantwortung, die vorher fernstanden.

  • Er heilt Beziehungen, die gebrochen waren.

Jakobus wird später ein Pfeiler der Gemeinde.
Und alles beginnt mit dieser stillen, persönlichen Begegnung.

 

13. Begegnung – Die Himmelfahrt

 

Ort: Nähe Bethanien, am Ölberg
Zeit: 40 Tage nach Ostern

 

Text: Apostelgeschichte 1,3–12 + Lukas 24,50-51+Lukas 24,49

 

Die Jünger stehen mit Jesus auf dem Ölberg.
 

Der Ort ist vertraut – hier hat er oft gebetet.
 

Hier hat er geweint.
 

Hier hat er gerungen.
 

Und nun wird dieser Ort zum Übergang.

Jesus spricht noch einmal vom Reich Gottes.
 

Nicht politisch, nicht militärisch, sondern geistlich.
 

Er verheißt den Heiligen Geist. 

 

Ihr aber bleibt in der Stadt Jerusalem, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe!

Er sagt ihnen, dass sie Zeugen sein werden – in Jerusalem, Judäa, Samaria und bis an die Enden der Erde.

Dann geschieht es:
 

Er wird emporgehoben.
 

Nicht entrissen, nicht verschwunden, sondern aufgenommen.
 

Die Jünger schauen ihm nach, bis eine Wolke ihn verbirgt.

 

Zwei Männer in weißen Kleider stehen plötzlich bei ihnen und sagen:
„Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“

 

Und sprachen: Ihr Männer von

Galiläa, was steht ihr hier und seht zum Himmel?

 

Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist,

wird in derselben Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen!

 

Ein liebevoller Anstoß:
 

Die Geschichte geht weiter.
 

Nicht im Himmel, sondern auf Erden.
Nicht ohne Jesus, sondern in seiner Kraft.

 

Die Himmelfahrt ist kein Abschied, sondern ein Übergang:
 

Vom Sehen zum Glauben.
 

Vom Begleitet werden zum Gesandt sein.
Von der Nähe Jesu zur Nähe des Geistes.

 

Die irdische Geschichte von Jesus kommt hier zu ihrem Abschluss.

 

Doch die Geschichte Gottes geht weiter.

Abendgebet am Ende der Arbeitswoche

 

Ja Jesus,

 

der Tag sinkt,
und diese Arbeitswoche endete einen Tag früher.

 

Für manche begann die Walpurgisnacht – laut, schrill, oft bis an die Schmerzgrenze.
 

Andere tanzten in den Mai, um die schöne Jahreszeit zu begrüßen.
 

Und dazu ein weltlicher Feiertag:
der Tag der Arbeit – in einer Zeit, in der viele keine Arbeit mehr haben.

 

Es gab friedliche Demonstrationen,
 

aber für Chaoten war es eine Nacht und ein Tag der Randale.
 

Für Polizei und Rettungskräfte ein Einsatz, den niemand braucht.

Im Abendlicht wird deutlicher,
wie brüchig vieles geworden ist,
wie begrenzt wir Menschen in unseren Möglichkeiten sind.

 

Wie groß angekündigte politische Würfe sich als Mogelpackungen entpuppen.

So danken wir Dir für die Bewahrung, in der wir leben.
Für die Sicherheit, die uns noch umgibt,

 

für den Frieden, der unser Land noch trägt,
für die Freiheit, unseren Alltag zu gestalten.

Wir danken Dir,
 

dass wir trotz Bedrohungen und Unberechenbarkeiten
in Weltpolitik, Wirtschaft und Umwelt

 

noch Räume der Ruhe haben,
Orte der Verlässlichkeit,
Menschen, die uns Halt geben.

 

Am Abend sehen wir klarer,
wie vieles ins Wanken geraten ist,
wie Entscheidungen unsicher wirken
und Politik oft ohne klaren Weg erscheint.

 

Und doch:
Du hältst die Welt in Deinen Händen.

Darum bitten wir Dich:
Bewahre uns weiterhin.

 

Schenke Schutz, wo Angst wächst,
Klarheit, wo Orientierung fehlt,
und Mut, wo wir Verantwortung tragen.

 

Lass uns nicht müde werden,
das Gute zu suchen,

 

den Frieden zu bewahren
und auf Deine Führung zu vertrauen.

 

Dir sei Dank für jeden Tag,
an dem wir in Frieden und Freiheit leben dürfen.

 

Halte Deine Hand über uns,
auch in dieser Nacht.

                                Amen.

 

Liebender Gott und Vater,

 

zu dir erwache ich
in dieser stillen Morgenstunde.

 

Und lausche dem Gesang der Vögel der durchs Fenster mein Ohr erfreut.

Noch bevor ein Gedanke Form annimmt,
spüre ich:

 

Du bist da.

Die ersten Worte, die ich finde, sind unser:
 

unser Vater.
 

Und meine erste Freude ist,
dass ich in deinem Licht leben darf.

Alles Gute in meinem Leben
kommt aus deiner Hand.

 

Wem sollte ich gehören,
wenn nicht dir?

Du hast mich gewollt,
du hast mich geschaffen,
du kennst meinen Weg.

 

Darum lege ich diesen Tag
in deine Gegenwart.

Alles, was ich bin,
alles, was ich habe,

 

möge heute deinem Willen dienen
und Frieden bringen —
mir und denen, denen ich begegne.

Vater, dir gehöre ich —
heute und immer.

 

Dein Wille geschehe an mir und meiner Familie

und an allem, was zu meinem Leben gehört,

Segne meinen Vorsatz für diesen Tag,
den ich jetzt vor dir ausspreche:

 

dass ich am Abend
mit einem ruhigen Herzen
zurückschauen kann.

                  Amen.

Freitag, 01.05.2026

Mich sollst du fürchten und dich zurechtweisen lassen.

Zefanja 3,7

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
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