
Schön,
dass Sie bei
uns
vorbeischauen.
Das Motto unserer Gemeinschaft
Gut, dass wir einander haben,
gut, dass wir einander sehn,
Sorgen, Freuden, Kräfte teilen
und auf einem Wege gehn.
Gut, dass wir nicht uns nur haben,
dass der Kreis sich niemals schließt
und dass Gott, von dem wir reden,
hier in unsrer Mitte ist.
Manfred Siebald
Wer mehr erfahren möchte ist herzlich Willkommen!
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Veranstaltungen zum kommen, mitfeiern und miterleben
Gelegenheit zum verweilen, zuhören, nachdenken und entschleunigen
christliche Impulse zum kirchlichen Jahreslauf,
laufende Aktualisierung.

Christliche Freiheit – verständlich erklärt (nach Paulus, heute)
Wenn Paulus im Galaterbrief schreibt:
Zur Freiheit hat uns Christus befreit!
So steht nun fest und lasst euch nicht wieder
das Joch der Knechtschaft auflegen!(Gal 5,1)
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“
dann meint er nicht politische, wirtschaftliche
oder gesellschaftliche Freiheit.
Er meint eine geistliche Freiheit, die im Innersten des Menschen beginnt.
Diese Freiheit ist nicht zuerst eine äußere Freiheit –
sie ist eine innere Befreiung.
1. Christliche Freiheit heißt: frei von dem,
was uns von Gott trennt
Paulus sagt: Der Mensch ist von Natur aus gebunden – nicht an Ketten, sondern an Kräfte in ihm selbst:
an Schuld, die er nicht loswird
an alte Muster, die ihn festhalten
an Angst, nicht zu genügen
an das ständige Müssen und Leisten
an das Gefühl, sich selbst retten zu müssen
Christus befreit von diesem inneren Druck.
Er nimmt die Last weg, die uns niederdrückt.
Er sagt: Du musst dich nicht selbst rechtfertigen.
Ich trage dich.
Das ist der Kern der christlichen Freiheit:
Ich darf vor Gott sein, ohne mich beweisen zu müssen.
2. Christliche Freiheit heißt: frei vom Gesetz
– aber nicht gesetzlos
Paulus meint mit „Gesetz“ nicht unsere heutigen Gesetze,
sondern religiöse Gesetze, und Zwänge die sagen:
Du musst alles richtig machen.
Du musst perfekt sein.
Du musst Gott gefallen, sonst bist du verloren.
Christus befreit von diesem religiösen Druck. Nicht, indem er das Gute abschafft – sondern indem er die Angst nimmt.
Paulus sagt: Nicht das Gesetz rettet, sondern Christus.
Das bedeutet: Ich tue das Gute nicht mehr aus Angst und Druck,
sondern aus Liebe.
Ich lebe nicht mehr unter einem Zwang,
sondern aus einer neuen inneren Kraft.
3. Christliche Freiheit heißt: frei für ein neues Leben
Paulus spricht nicht nur von dem, wovon wir frei sind,
sondern auch wozu wir frei werden:
frei, Gott zu vertrauen
frei, anderen zu dienen ohne Angst, zu kurz zu kommen
frei, Fehler zuzugeben
frei, neu anzufangen
frei, zu lieben
frei, zu vergeben
frei, zu hoffen
Christliche Freiheit ist also keine Freiheit von Verantwortung,
sondern eine Freiheit zur Liebe.
Paulus fasst es so zusammen:
„Ihr seid zur Freiheit berufen…
dient einander durch die Liebe.“ — Galater 5,13
Christliche Freiheit ist immer beziehungsorientiert.
Sie führt nicht in Egoismus, sondern in Gemeinschaft.
4. Christliche Freiheit heißt: frei von Angst vor dem Tod
Paulus sagt im Römerbrief (Kapitel 6–8):
Christus befreit von der Macht des Todes.
Das bedeutet: Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.
Er ist nicht mehr der große Schrecken. Er ist nicht mehr das Ende.
Wer Christus gehört, ist frei von der Angst, dass alles sinnlos ist.
Frei von der Angst, dass das Leben vergeblich war.
Frei von der Angst, dass Gott fern ist.
Diese Freiheit trägt – auch in schweren Zeiten.
5. Christliche Freiheit heute – ganz praktisch
Was bedeutet das für uns heute?
Ich muss mich nicht über Leistung definieren.
Ich muss mich nicht mit anderen vergleichen.
Ich muss mich nicht selbst retten.
Ich darf Fehler machen und neu anfangen.
Ich darf mich von Gottes Liebe bestimmen lassen,
nicht von Erwartungen anderer.
Ich darf Nein sagen, wenn etwas mich zerstört.
Ich darf Ja sagen, wenn Gott mich ruft.
Ich darf frei werden von inneren Stimmen, die mich klein machen.
Ich darf frei werden von Schuld, die ich nicht tragen kann.
Ich darf frei werden von Angst, die mich lähmt.
Christliche Freiheit ist eine Freiheit des Herzens.
Sie beginnt dort, wo Christus sagt:
Du bist mein.
Du bist frei.
Du musst dich nicht mehr selbst tragen.
Alle alle eure Sorgen weft auf mich, ich sorge für Euch.
Heute so aktuell wie 1945
Unser Gott wandte
den Fluch
in einen Segen.
Nehemia 13,2
Herr, wir kommen zu Dir mit Herzen,
die schwer geworden sind
und doch nicht ohne Hoffnung.
Wir sehen unser Land, das Land, in dem wir leben,
arbeiten, lieben, hoffen und Verantwortung tragen.
Ein Land, das Du getragen hast,
durch Schuld und Krieg,
durch Wiederaufbau,
durch Jahrzehnte des Friedens
und des Segens.
Und jetzt sehen wir, wie vieles zerbricht.
Wie Menschen müde werden.
Wie Wahrheit verschwimmt.
Wie Verantwortung verloren geht.
Wie die Schwachen übersehen werden.
Wie die Alten vergessen werden.
Wie die Pflege erschöpft ist.
Wie die Politik sich im Kreis dreht.
Wie die Kirche ihre Stimme verloren hat.
Herr, wir tragen dies nicht aus Zorn,
sondern aus Liebe.
Wir tragen es nicht aus Überheblichkeit,
sondern aus Sorge.
Wir tragen es nicht aus Angst,
sondern aus Sehnsucht.
Darum bitten wir Dich:
Gib unserem Land wieder ein Herz,
das Dich sucht.
Gib uns Klarheit, wo wir verwirrt sind.
Gib uns Demut, wo wir uns selbst erhöhen.
Gib uns Wahrheit, wo wir uns verlieren.
Gib uns Mut, wo wir resignieren.
Gib uns Liebe, wo wir hart geworden sind.
Herr, wir legen Deutschland in Deine Hände.
Nicht als politisches Projekt,
sondern als Volk, das Du kennst.
Als Menschen, die Du liebst.
Als Geschichte, die Du geführt hast.
Als Zukunft, die Du noch schreiben kannst.
Und wir legen auch uns selbst in Deine Hände.
Unsere Müdigkeit.
Unsere Sorge.
Unsere Sehnsucht.
Unseren Blick auf dieses Land.
Unsere Herzen, die manchmal zu viel sehen
und doch nicht wegsehen können.
Herr, halte uns fest.
Halte unser Land fest.
Halte uns alle fest.
Denn Du bist der Gott, der nicht loslässt.
Der ruft.
Der heilt.
Der erneuert.
Der trägt.
Amen.

Gottes Maßstab
Manchmal frage ich mich, woran Gott mein Leben wohl misst.
Nicht selten ertappe ich mich dabei, auf das zu schauen, was sichtbar ist: auf das Gelungene und das Misslungene, auf Wissen und Können, auf das, was andere von mir denken. In einer Welt, die Leistung zählt und Erfolge sichtbar macht, liegt die Versuchung nahe, auch den eigenen Wert daran zu messen.
Doch wenn ich in die Bibel schaue, begegnet mir ein Gott, der anders sieht.
Nicht der Kopf voller Wissen, nicht die Größe eines Menschen zählt vor Gott, sondern ein Herz, das lieben lernt, denn daraus quillt das Leben.
Wir Menschen messen oft nach Leistung, Einfluss, Wissen, Ansehen oder Erfolg. Wir vergleichen uns mit anderen und fragen: Wer hat mehr erreicht? Wer weiß mehr? Wer steht höher?
Gott aber misst mit einem anderen Maß.
Als Samuel einst die Söhne Isais betrachtete, suchte er den Größten und Stärksten aus. Doch Gott sprach: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7)
Gott blickt tiefer. Er sieht nicht nur das, was wir tun, sondern auch, warum wir es tun. Er kennt unsere Gedanken, unsere Sehnsüchte, unsere verborgenen Kämpfe und unsere Beweggründe. Sein Blick bleibt nicht an der Oberfläche stehen.
Darum fragt Gott nicht zuerst: Wie erfolgreich warst du? Wie viel hast du gewusst? Wie groß war dein Einfluss?
Er fragt vielmehr:
Hast du gelernt zu lieben?
Hast du deinem Nächsten Barmherzigkeit erwiesen? Hast du die Wahrheit gesucht? Hast du vergeben, wo du verletzt wurdest? Hast du dem Schwachen beigestanden? Hast du dein Herz für Gott geöffnet?
Denn die Liebe ist Gottes Maßstab. In ihr erfüllt sich sein Wille. Wo Liebe wächst, wächst Leben. Wo Liebe fehlt, bleiben selbst große Leistungen leer.
Wenn wir ehrlich auf unser Leben schauen, merken wir schnell: Diesem Maßstab werden wir nie vollkommen gerecht. Niemand liebt immer und überall so, wie Gott es sich gedacht hat. Darum liegt unsere Hoffnung nicht in einer guten Bilanz unserer Werke, sondern in der Gnade Gottes.
Jesus Christus ist Gottes ausgestreckte Hand zu uns. Er nimmt uns an, obwohl wir unvollkommen sind, und schenkt uns die Kraft, Schritt für Schritt in der Liebe zu wachsen.
So dürfen wir jeden Tag neu leben: nicht getrieben vom Wunsch, etwas beweisen zu müssen, sondern getragen von Gottes Liebe. Und aus dieser Liebe heraus lernen wir zu lieben.
Denn am Ende wird Gott nicht fragen, wie groß unser Wissen war, wie hoch wir gestiegen sind oder wie viel Anerkennung wir gefunden haben.
Er wird das Herz ansehen.
Und glücklich ist der Mensch, dessen Herz von Gottes Liebe berührt wurde und gelernt hat, diese Liebe weiterzugeben.
Gebet
Herr, du siehst tiefer als alle Menschenaugen.
Du kennst mein Herz, meine Stärken und meine Grenzen.
Bewahre mich davor, meinen Wert aus Leistung, Wissen oder Erfolg zu ziehen.
Lehre mich die Liebe, die von dir kommt.
Mache mein Herz weit für dich und für die Menschen, die du mir anvertraust.
Lass aus meinem Leben etwas von deiner Güte, deiner Barmherzigkeit und deinem Frieden sichtbar werden.
Amen.



Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche
doch alle seine Verheißungen!
Aller Augen warten auf dich,
und du
gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Psalm 145,15
und
Matthäus 6,26
Seht die Vögel unter dem Himmel an:
Sie säen nicht, sie ernten nicht,
sie sammeln nicht in die Scheunen;
und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?
mehr als bloße biblische Sprüche
Georg Müller und die Probe auf Gottes Verheißungen
Als der Deutsche Georg Müller Anfang des
19. Jahrhunderts nach England kam, fand er ein Land vor, das von den Folgen der Industrialisierung geprägt war.
In den rasch wachsenden Städten lebten zahllose Menschen in Armut, Wohnungsnot und Perspektivlosigkeit.
Wiederkehrende Choleraepidemien verschärften das Elend.
Viele Kinder verloren ihre Eltern und wurden zu Waisen,
die auf den Straßen um ihr Überleben kämpfen mussten.
Müller war von diesen Zuständen tief betroffen.
Doch während viele Menschen darin vor allem ein soziales Problem sahen, bewegte ihn eine andere Frage.
Er fragte sich, ob die Zusagen Gottes, von denen die Bibel spricht,
tatsächlich auch in seiner Zeit noch gültig seien.
Konnte man Gott wirklich vertrauen,
wie es die Propheten, Apostel und die ersten Christen getan hatten? Waren die Verheißungen der Schrift lediglich Erinnerungen an vergangene Zeiten
oder besaßen sie noch immer dieselbe Kraft?
Aus dieser Frage heraus reifte in ihm ein ungewöhnlicher Entschluss.
Er wollte die Zusagen Gottes ernst nehmen und sein Leben darauf bauen.
Nicht um Gott herauszufordern, sondern um zu zeigen, dass der lebendige Gott auch gegenwärtig handelt.
Als er das Elend der Waisenkinder sah,
begann er in Bristol ein Waisenhaus zu gründen.
Dabei setzte er sich einen Grundsatz:
Er wollte keine öffentlichen Spendenaufrufe machen, keine Bittbriefe versenden und keine Schulden aufnehmen.
Alles, was benötigt wurde, sollte allein im Gebet vor Gott gebracht werden.
Für Müller war dies keine menschliche Kühnheit,
sondern die Folge seines Verständnisses der Heiligen Schrift.
Besonders die Worte Jesu aus der Bergpredigt hatten ihn geprägt:
„Seht die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen;
und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
Seid ihr denn nicht viel mehr wert als sie?"
(Matthäus 6,26)
Ebenso vertraute er auf die Zusage des Psalms:
„Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung."
(Psalm 68,6)
Müller verstand diese Worte nicht als fromme Bilder, sondern als Wirklichkeit. Deshalb begann er das Werk im Vertrauen darauf,
dass Gott selbst die Verantwortung für die Waisenkinder übernehmen würde.
Aus kleinen Anfängen entwickelte sich im Lauf der Jahre ein großes Werk.
Immer mehr Kinder wurden aufgenommen, versorgt und ausgebildet.
Häuser wurden erweitert und schließlich entstanden die bekannten Waisenhäuser von Ashley Down bei Bristol.
Dabei berichtete Müller immer
wieder von Situationen, in denen menschlich gesehen keine Lösung erkennbar war.
Lebensmittel fehlten, notwendige Zahlungen standen bevor oder Bauvorhaben konnten scheinbar nicht fortgeführt werden.
Doch immer wieder traf Hilfe ein, oftmals in Augenblicken,
in denen keine Hoffnung mehr sichtbar schien.
Je größer das Werk wurde, desto mehr Kritiker fanden sich.
Viele hielten Müller für einen religiösen Schwärmer.
Andere waren überzeugt, dass seine Arbeitsweise verantwortungslos sei.
Wieder andere beobachteten sein Werk in der Erwartung, dass es früher oder später zusammenbrechen müsse.
Sie warteten auf den Tag, an dem die Vorräte erschöpft,
die Rechnungen unbezahlt und die Waisenhäuser geschlossen werden würden.
Doch Müller reagierte auf diese Stimmen nicht mit Streit
oder Rechtfertigungen.
Er verteidigte sich nicht durch große Worte.
Stattdessen setzte er seinen Weg fort, betete weiter und führte sein Werk gewissenhaft.
Die Antwort auf den Spott sollte nicht durch Argumente erfolgen, sondern durch die Wirklichkeit selbst.
So wurden die Kritiker ungewollt Teil jener Glaubensgeschichte,
die Müller schreiben wollte.
Denn mit jedem weiteren Jahr wurde deutlicher, dass das erwartete Scheitern ausblieb.
Die Waisenhäuser bestanden weiter, die Kinder wurden versorgt
und das Werk wuchs.
Gerade weil so viele Menschen an seinem Vorhaben zweifelten,
trat die eigentliche Frage immer stärker hervor:
Kann man den Verheißungen Gottes vertrauen?
In gewisser Weise erinnert Müllers Weg an die Glaubenszeugen der Bibel.
Wie Abraham auf den verheißenen Sohn wartete,
wie Nehemia unter dem Spott seiner Gegner die Mauern Jerusalems wieder aufbaute und wie Elia in Zeiten des Mangels auf Gottes Versorgung vertraute,
so hielt auch Müller an den Zusagen Gottes fest, obwohl die äußeren Umstände oft dagegen sprachen.
Sein Ziel war dabei nie die Errichtung großer Gebäude.
Die Waisenhäuser waren für ihn nicht das eigentliche Werk.
Sie waren vielmehr sichtbare Zeichen für eine unsichtbare Wirklichkeit.
Was Müller beweisen wollte, war nicht die Stärke seines Glaubens,
sondern die Treue Gottes.
Darum liegt die bleibende Bedeutung seines Lebens nicht allein in den Tausenden von Kindern,
denen geholfen wurde.
Sein eigentliches Vermächtnis ist die Frage,
die aus seinem Leben bis heute an Christen gerichtet wird: Sind die Verheißungen Gottes lediglich Gegenstand der Predigt,
oder sind sie tragfähig genug, um ein Leben darauf zu bauen?
Für George Müller war die Antwort eindeutig.
Sein ganzes Leben wurde zu einem Zeugnis dafür,
dass Gottes Zusagen nicht nur gehört, sondern auch gewagt werden dürfen.
Die Waisenhäuser von Bristol waren letztlich nicht das Wunder.
Das eigentliche Wunder war ein Mensch,
der die Worte Jesu ernst nahm und den Mut hatte,
sein Leben darauf zu gründen.
Ich habe es gewagt, zu meinem Herrn zu reden,
obwohl ich Staub und Asche bin.
1. Mose 18,27
Nach Georg Müllers Tod im Jahr 1898 bestand das Werk zunächst fort.
Die Waisenhäuser auf Ashley Down in Bristol arbeiteten weiter,
weil Müller von Anfang an darauf geachtet hatte,
dass das Werk nicht von seiner Person allein abhängig war.
Es gab eine organisierte Verwaltung, Mitarbeiter und eine tragfähige Struktur. Seine Nachfolger führten die Einrichtungen weiter.
Allerdings veränderte sich die Welt.
Das England des 20. Jahrhunderts war nicht mehr das England
der Choleraepidemien und der frühen Industrialisierung.
Staatliche Sozialfürsorge, Schulwesen
und Jugendhilfe entwickelten sich zunehmend.
Die riesigen Waisenhäuser, die im 19. Jahrhundert als vorbildlich galten,
wurden später kritischer betrachtet.
Man erkannte,
dass Kinder oft besser in kleineren familienähnlichen Gemeinschaften aufwachsen als in großen Heimen.
So wurden die gewaltigen Gebäude von Ashley Down
nach und nach ihrer ursprünglichen Funktion entfremdet.
Einige dienten zeitweise als Ausbildungsstätten
und Bildungseinrichtungen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden Kinder teilweise ausgelagert,
um sie vor Bombenangriffen zu schützen. Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich die Arbeit immer stärker.
Interessanterweise verschwand damit nicht Müllers Werk,
sondern es veränderte seine Gestalt.
Die heutige Organisation trägt den Namen George Müller Charity
und arbeitet weiterhin in Bristol.
Sie betreut heute jedoch nicht mehr riesige Waisenhäuser
wie im 19. Jahrhundert, s
ondern unterstützt Kinder, Jugendliche
und Familien in schwierigen Lebenssituationen.
Der Schwerpunkt verlagerte sich von der Versorgung von Waisen
hin zur Begleitung und Förderung von Familien,
Pflegekindern und benachteiligten jungen Menschen.
Vielleicht liegt darin sogar eine gewisse Konsequenz
von Müllers eigenem Denken.
Denn sein eigentliches Ziel waren nie die Gebäude.
Wäre das Ziel die Errichtung von Waisenhäusern gewesen,
dann hätte sein Werk mit dem Ende dieser Heime aufgehört.
Sein Ziel war jedoch, Gottes Liebe für Kinder sichtbar zu machen
und Gottes Fürsorge glaubwürdig zu bezeugen.
Die Form hat sich verändert, das Anliegen blieb.
Die Geschichte George Müllers beweist nicht,
dass jede Generation dieselben Mittel verwenden muss.
Die großen Waisenhäuser seiner Zeit
gehören weitgehend der Vergangenheit an.
Doch die Frage, die ihn bewegte, ist geblieben.
Noch immer steht jede Generation vor der Entscheidung,
ob sie Gottes Verheißungen als Erinnerung an vergangene Zeiten betrachtet
oder als lebendige Zusagen für die Gegenwart.
Die Gebäude von Ashley Down
sind nicht das eigentliche Vermächtnis George Müllers.
Sein Vermächtnis ist das Vertrauen,
dass Gottes Treue größer sein kann
als die sichtbaren Möglichkeiten des Menschen.
Das hätte vermutlich auch Müller selbst unterschrieben.
Denn für ihn waren die Waisenhäuser nie das Ziel,
sondern nur die Bühne,
auf der Gottes Verheißungen sichtbar werden sollten.


Die Hoffnung auf den Himmel gibt Halt auf der Erde
„Es ist aber der Glaube eine feste Grundlage dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem Beweis dessen, was man nicht sieht.“
Hebräer 11,1
wir leben in einer Welt, die sehen,
messen und beweisen möchte.
Was sichtbar ist, gilt als sicher.
Was man berechnen kann, erscheint verlässlich.
Doch die entscheidenden Dinge des Lebens
entziehen sich oft unserem Blick.
Wer kann die Liebe messen?
Wer kann Hoffnung wiegen?
Wer kann Vertrauen mit den Händen greifen?
Und doch tragen gerade diese uns durch das Leben.
Der Hebräerbrief erinnert uns heute daran,
dass der Glaube eine feste Grundlage ist.
Er schenkt uns Halt auf der Erde,
weil er unseren Blick auf den Himmel richtet.
Dabei können wir drei wichtige Wahrheiten entdecken.
1. Glaube sieht mehr als die Augen sehen
Unsere Augen erfassen nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit.
Wir sehen den Sturm,
aber nicht immer den sicheren Hafen.
Wir sehen die Last, aber noch nicht die Hilfe.
Wir sehen den Weg, aber oft nicht das Ziel.
Der Glaube öffnet einen weiteren Horizont.
Er vertraut darauf, dass Gott bereits gegenwärtig ist,
auch wenn wir seine Spuren nicht sofort erkennen.
Abraham zog los, ohne zu wissen,
wohin der Weg führen würde.
Mose vertraute Gott vor dem Schilfmeer.
Die Jünger folgten Jesus, obwohl noch vieles unklar war.
Sie alle sahen nicht das Ende des Weges,
doch sie vertrauten dem, der sie führte.
So ist Glaube nicht Blindheit,
sondern ein Sehen des Herzens.
2. Glaube gibt Halt in den Herausforderungen des Lebens
Jeder Mensch erlebt Zeiten, in denen Sicherheiten zerbrechen.
Krankheit kann kommen.
Ein lieber Mensch kann fehlen.
Pläne können scheitern.
Fragen können unbeantwortet bleiben.
Dann geraten wir ins Wanken.
Der Verfasser des Hebräerbriefs sagt nicht,
dass Glaubende keine Schwierigkeiten haben.
Er sagt vielmehr, dass der Glaube eine feste Grundlage ist.
Ein Haus steht nicht deshalb sicher, weil kein Sturm kommt.
Es steht sicher, weil sein Fundament trägt.
So trägt uns Christus.
Er nimmt nicht jede Last sofort weg.
Er erklärt nicht jede Frage.
Doch er verlässt uns nicht.
Gerade in dunklen Stunden erfahren viele Menschen,
was es bedeutet, von einer Hoffnung gehalten zu werden,
die größer ist als ihre Angst.
Darum dürfen wir sagen:
Die Hoffnung auf den Himmel gibt Halt auf der Erde.
3. Glaube lebt aus der Hoffnung auf Gottes Zukunft
Der Glaube blickt immer über den heutigen Tag hinaus.
Christen sind Menschen der Hoffnung.
Nicht weil alles gut ist.
Sondern weil Gott gut ist.
Wir glauben an einen auferstandenen Herrn.
Wir glauben an Gottes Verheißungen.
Wir glauben, dass unser Leben nicht im Dunkel endet.
Der Himmel ist nicht eine ferne Wunschvorstellung.
Er ist die Zukunft, die Gott seinen Kindern zugesagt hat.
Diese Hoffnung verändert schon heute unser Leben.
Sie schenkt Mut statt Resignation.
Sie schenkt Trost statt Verzweiflung.
Sie schenkt Kraft statt Mutlosigkeit.
Wer weiß, wohin er unterwegs ist,
kann auch schwere Wegstücke durchstehen.
Darum richtet der Glaube unseren Blick auf Christus,
den Anfänger und Vollender unseres Glaubens.
Schluss
Hebräer 11,1 lädt uns ein, Gott neu zu vertrauen.
Wenn wir nicht alles verstehen, wenn wir nicht alles sehen, wenn wir nicht alle Antworten haben,
dann dürfen wir dennoch glauben.
Denn der Glaube sieht mehr als die Augen sehen.
Der Glaube gibt Halt in den Herausforderungen des Lebens.
Der Glaube lebt aus der Hoffnung auf Gottes Zukunft.
Und so dürfen wir getrost unseren Weg gehen,
im Vertrauen auf den Herrn, der uns vorausgeht.
Die Hoffnung auf den Himmel gibt Halt auf der Erde.
Amen.


Abendgebet am Ende der Arbeitswoche
Ja, Herr Jesus,
diese Arbeitswoche liegt hinter uns. Sie ist abgepfiffen und abgewunken, mit allem Gelingen und allem Unvollendeten, mit Freude und Dank, aber auch mit Fragen und Sorgen.
Wieder wurde sichtbar, wie begrenzt menschliche Weisheit ist. Darum kommen wir zu dir und bitten um die Weisheit, die von oben kommt.
Denn dein Wort verheißt:
"Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden." (Jakobus 1,5)
Du gibst gerne. Du machst keine Vorwürfe. Du weist niemanden ab, der mit offenem Herzen zu dir kommt.
Diese Verheißung gilt den Großen wie den Kleinen, den Regierenden wie den Regierten, den Starken wie den Schwachen.
Bewahre uns davor, weise in unseren eigenen Augen zu sein. Lehre uns die Demut, die auf dich hört, und das Vertrauen, das deiner Führung folgt.
Herr, wir bitten dich auch für die Verantwortlichen in unserem Land und in den Völkern dieser Welt. Wo Herzen hart geworden sind, wo Machtstreben und Eigennutz regieren, da greife du ein.
Lenke Gedanken, öffne verschlossene Türen, schenke Einsicht, und schenke Entscheidungen, die dem Frieden dienen.
Wir flehen um Erweckung. Lass deinen Heiligen Geist neu wirken. Erwecke Menschen zum Glauben, rufe zur Umkehr, erneuere Gemeinden und entzünde neu die Liebe zu dir.
Wir bitten um Frieden für unsere Welt, für die Nationen, für unsere Städte und für unsere Familien.
Auch wenn Unrecht geschieht, auch wenn Menschen finstere Wege gehen, auch wenn Kriege und Gewalt die Schlagzeilen bestimmen, bleibst du doch der Herr der Geschichte.
Du sitzt noch immer auf dem Thron. Nichts entgleitet deiner Hand. Noch ist Gnadenzeit. Noch steht die Tür zur Umkehr offen. Noch werden Menschen gerufen, deine rettende Liebe anzunehmen.
Darum beginne bei uns.
Erforsche unser Herz. Zeige uns, wo wir selbst der Korrektur bedürfen. Bewahre uns vor Stolz, vor Gleichgültigkeit und vor einem Glauben, der nur auf andere zeigt.
Richte uns durch deinen Heiligen Geist neu aus. Schenke uns an diesem Wochenende Stille vor dir, offene Ohren für dein Wort und ein Herz, das bereit ist, dir zu folgen.
So legen wir diese Woche in deine Hände zurück und vertrauen dir die kommende an.
Denn du bist treu, heute, morgen und in Ewigkeit
Amen.
Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen?
Jesaja 50,9
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